Haus - und Wohnungseigentümer in Prenzlauer Berg können ihre Träume vom luxuriösen Heim jetzt begraben. Denn der Bezirk wird ihnen bald nicht mehr erlauben, dass sie in ihre Wohnungen ein zweites Bad einbauen und einen zweiten Balkon anbringen. Auch für einen Innenkamin und eine Fußbodenheizung gibt es keine Genehmigung mehr. Verboten sind zudem Grundrissveränderungen und das Zusammenlegen von Wohnungen. Lediglich ein Fahrstuhl darf installiert werden.

Mit der sozialen Erhaltungssatzung wollen SPD und Grüne, die in Pankow eine politische Gemeinschaft bilden, den hohen Aufwertungs- und Verwertungsdruck stoppen und die Bewohner besser schützen. Von einer „erheblichen Verschärfung“ spricht der SPD-Bezirksverordnete und Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup. Es gebe spekulative Bauträger, die Mieter verdrängen und die Wohnungen teuer verkaufen, sagt er.

Die Beschränkungen gelten ab Juli 2014 in diesen Gebieten: Helmholtzplatz, Kollwitzplatz, Teutoburger Platz, Winsstraße und Bötzowstraße. Gültig sind die Regelungen schon in den Vierteln Pankow Zentrum, Arnimplatz, Humannplatz, Ostseestraße / Grellstraße und Falkplatz. Laut SDP und Grünen würden in diesen Quartieren nun 130.000 Bewohner in 78.000 Wohnungen geschützt.

Dabei war der jetzt als Luxus gescholtene Wohnkomfort vor ein paar Jahren noch politisch gewollt. Denn die meisten Viertel mit einer Erhaltungssatzung waren damals Sanierungsgebiete. Doch viele Menschen konnten die hohen Mieten nicht mehr zahlen und zogen aus. So stiegen etwa die Mieten am Helmholtzplatz in den vergangenen zwölf Jahren um 30 Prozent.

Jens-Holger Kirchner (Grüne), Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, sagt, mittlerweile seien auch Mieter mit hohen Einkommen, etwa Familien aus der Mittelschicht, von der Verdrängung bedroht. „Es wäre schlauer gewesen, die Erhaltungssatzung gleich nach dem Ende der Sanierungsgebiete in Kraft zu setzen. Aber lieber fast zu spät als gar nicht.“

Auch in anderen Stadtteilen sollen Mieter besser geschützt werden, etwa rund um den Petersburger Platz in Friedrichshain und in der Oranienburger Vorstadt in Mitte. In Charlottenburg kommen die Quartiere am Klausener Platz und nördlich des Ernst-Reuter-Platzes hinzu. Und im Pankower Ortsteil Weißensee plant Stadtrat Kirchner, die Viertel rund um die Langhansstraße und das Komponistenviertel unter Schutz zu stellen. Dort steige jetzt der Aufwertungsdruck, sagt er.

Der Bund der Berliner Haus- und Grundstückseigentümer kritisiert die Verbote. „Damit wird eine Weiterentwicklung des Wohnungsbestandes verhindert“, sagt Sprecher Dieter Blümmel. Hätte es so eine Regelung schon vor 30 Jahren gegeben, würden viele Wohnungen heute noch ein Außenklo haben.