Merkwürdig mutet das schon an, wenn ein Vermieter hohe Preissteigerungen beim Hausstrom in der Betriebskostenabrechnung unter anderem mit dem Wechsel „von Stromerzeugung aus Kernenergie auf Ökostrom“ begründet – jedenfalls wenn sich hinterher herausstellt, dass das gar nicht stimmt. Und wenn die Preissteigerungen beim Strom, verbunden mit hohen Nachzahlungsforderungen an die Mieter, in Wahrheit darauf zurückzuführen sind, dass nach einem Eigentümerwechsel ein Stromliefervertrag zu schlechteren Konditionen abgeschlossen wurde.

Nein, hier ist mal nicht von Deutsche Wohnen und Co die Rede. Im vorliegenden Fall geht es um die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, die es bei der Begründung einer Betriebskostennachzahlung in Spandau nicht so genau genommen hat. Die jetzt nachgereichte Erklärung der Gewobag, es habe sich um ein „Versehen“ gehandelt, ansonsten sei die Betriebskostenabrechnung aber formal korrekt, reicht nicht aus. Das landeseigene Wohnungsunternehmen muss, wie von Mieterberatern gefordert, über alle Einzelheiten dieser merkwürdigen Kostenentwicklung detailliert informieren. Jetzt ist Aufklärung gefragt, Beschwichtigungen sind fehl am Platze.

Dies gilt umso mehr, da der Rahmenvertrag für die Belieferung mit Hausstrom für alle sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen gilt. Dass sie mit ihrer Marktmacht von mehr als 300.000 Wohnungen in Berlin bei Vattenfall schlechtere Konditionen ausgehandelt haben sollen als ein mittelgroßer privater Vermieter, wirft Fragen auf. Zum Beispiel die Frage, wie gut sich Ausschreibungen eignen, um am Markt den besten Preis für eine Leistung zu erzielen. Aber auch die Frage, wie Angebote auf dem Markt zustande kommen. Diese Fragen müssen die landeseigenen Unternehmen beantworten – aber auch die Verantwortlichen in der Politik.