Unruhig läuft das kleine schwarze Tier auf dem Laken hin und her.

„Eine fliegende Ameise“, sagt Maren Wölk, „ein Gliederfüßer.“ Die Ameise hat es nicht riechen oder ahnen können, aber durch das Betreten des Lakens hat sie sich in eine schreckliche Misere gebracht.

Sie hat quasi einen unsichtbaren Vulkan bestiegen. „Das Tier hat jetzt ein sehr unangenehmes Hitzegefühl an den Füßen“, sagt Ellen Wölk, „das ist der sogenannte Hot-Feet-Effekt“.

Das Laken ist mit dem Wirkstoff Permethrin versetzt, einem Insektizid, das einem natürlichen Wirkstoff der Chrysantheme nachgebaut ist. Warmblüter spüren nichts, Insekten werden dadurch abgeschreckt und je nach ihrer Größe davon auch getötet.

„Bettwanzen, Zecken, Flöhe und Läuse überleben den Kontakt mit dem Laken nicht“, sagt Marili Werle , „Bienen zum Beispiel suchen einfach das Weite.“ Maren und Ellen Wölk und Marili Werle beugen sich über das Laken, die Ameise ist verschwunden.

Das Jagdverhalten der Zecke

Die beiden Schwestern aus Potsdam haben zusammen mit ihrer Freundin vor einem Jahr die Firma „Permetex“ gegründet. Zum Schutz vor Insekten im Alltag nutzen sie ein Verfahren, das bereits jahrelang vom Militär für die Uniformen von Soldaten im Auslandseinsatz verwendet wird.

„Bekannte haben uns schon vor ein paar Jahren davon erzählt und uns neugierig gemacht auf dieses Thema“, sagt Ellen Wölk, „wir hatten keine Ahnung von Insektenabwehr, haben dann aber gemerkt, dass das ein großes spannendes Feld ist und dann letztendlich aus dem Bauch heraus entschieden, Permetex zu gründen.“  Bisher hatten sie gemeinsam im Bereich Kultur- & Eventmanagement gearbeitet. Mit ihrer Agentur wölkundwölk produzieren sie noch immer Kulturprojekte, aber ihre meiste Zeit verbringen sie jetzt damit, sich mit der Eiablage der Bettwanzen und dem Jagdverhalten von Zecken zu beschäftigen und sich in den Kosmos der Insekten immer weiter einzuarbeiten. Dafür tauschen sie sich auch mit Berliner Schädlingsbekämpfern aus.

„Da hätten wir vor fünf Jahren auch ganz schön gelacht, wenn uns das einer prophezeit hätte“, sagt Maren Wölk, „es ist definitiv eine Mischung aus Ekel und Faszination für uns und auch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“

Die Textilien sind mit einem patentierten Verfahren behandelt, bei dem der Wirkstoff Permethrin an den Stofffasern verankert wird. Fünf Produkte hat das Start-up-Unternehmen entwickelt: einen Kleidersack für zu Hause, der vor Motten schützt, ein Multifunktionslaken fürs Bett oder draußen als Picknick-Decke geeignet, einen Hostel-Schlafsack gegen Milben, Bettwanzen und Flöhe, einen Gepäckschutz und einen Kissenbezug für unterwegs. „Es gab zwar schon ein paar Insektenschutz-Produkte am Markt“, sagt Marili Wehrle, „die sind aber nur mit dem Wirkstoff imprägniert oder in ihn getränkt, was bedeutet, dass die Konzentration des Insektizides höher ist und er nicht so lange im Stoff bleibt.“ Die Schutzfunktion ist unsichtbar und geruchlos. Das Material wurde nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation  getestet und genehmigt, betonen die Gründerinnen.

Weitgehend unbedenklich

Permethrin als Wirkstoff ist allerdings nicht ganz unumstritten. Experten sind sich seit Jahren darüber uneins, ob das Insektizid langfristig auch für Menschen gesundheitsschädlich oder sogar krebserregend sein kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bescheinigte den Permetex-Produkten kürzlich, weitgehend unbedenklich zu sein. „Für meine Tochter habe ich schon einen Permetex-Kapuzenpullover fürs Campen genäht, weil sie so stark auf Mückenstiche reagiert und ich es ungesünder finde, ihr ständig Mückenspray aufzusprühen“, sagt Maren Wölk.

Laken für die Rio-Fahrer

Auch den Olympiastützpunkt Berlin konnten die Gründerinnen von der Nützlichkeit ihrer Produkte überzeugen. Sie  haben als offizieller Partner der Kampagne „Zeit für Rio“ des Olympiastützpunktes Berlin allen Berliner und Brandenburger Olympiateilnehmern ein Insektenschutz-Laken für Rio mitgegeben. „Die Sorge rund um Zika war und ist ja ein großes Thema“, sagt Maren Wölk, „da habe ich einfach dort angerufen und gesagt: Ich hätte vielleicht etwas.“ Die Olympischen Spiele werden am 5. August in Brasilien eröffnet.

Die drei Frauen wissen, dass ihr Markt wächst. Durch zunehmend warme Winter sind die Zecken in Deutschland schon fast ganzjährig aktiv.  Schädlingsbekämpfer weisen immer wieder darauf hin, dass auch Bettwanzen auf dem Vormarsch sind, und durch die vielen reisefreudigen Touristen und weltweit verschickte Waren reisen auch immer mehr exotische Insekten nach Europa, die hierzulande bisher nicht heimisch sind, die aber Krankheiten mitbringen.

Doch die Gründerinnen möchten nicht durch das Schüren von Angst ihre Produkte verkaufen: „Wir möchten, dass unsere Kunden sich ganz einfach wohlfühlen, ob sie nun Yoga im Park machen oder viel reisen“, sagt Ellen Wölk. Sie freuen sich, dass öfter auch einfach Menschen anrufen und Anregungen für neue Produkte geben. In Planung sind gerade ein umfassender Matratzenschutz für Hotelbetten und eine Hundedecke.