Berlin - In den frühen Neunzigerjahren sollte es eigentlich abgerissen werden: das 14 Meter hohe und 50 Tonnen schwere Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße in Pankow. Aus Kostengründen blieb es stehen, und seit jeher wird über das Denkmal gestritten. Vor drei Wochen verließ nun der Historiker und Stellvertreter des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Jens Schöne, eine Kommission, die zur historischen Einordnung des Denkmals einberufen worden war. Man konnte sich nicht auf einen Text einigen, der auf Stelen, die zusätzlich aufgestellt werden, stehen sollte. Im Interview erklärt Schöne seinen Entschluss und seine persönliche Sicht auf Thälmann und Thälmanns Nachwirkung in der DDR der Achtzigerjahre.

Ernst Thälmann war von 1925 bis 1933 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands. Bereits 1933 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet, gefoltert und 1944 vermutlich auf persönlichen Befehl von Adolf Hitler in Buchenwald erschossen. Thälmann ist historisch in seiner Rolle in der Weimarer Republik nicht unumstritten. Wird er von den einen als großer kommunistischer Widersacher der Nazis geehrt, sehen andere in ihm auch den überzeugten Stalinisten, der vor allem die SPD bekämpfte und Mitglieder der KPD, die ein antifaschistisches Bündnis mit den Sozialdemokraten gegen Hitler forderten, aus der Partei ausschloss. Thälmanns Andenken wurde in der DDR ausgiebig gepflegt sowie politisch Instrumentalisiert. So wurden unter anderem zensierte Briefe Thälmanns veröffentlicht und mehrere Filme über ihn gedreht.

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