Wilmersdorf - Das erste frühlingshafte Wochenende des Jahres hat es gnadenlos gezeigt: Der Preußenpark, so ziemlich die einzige Grünfläche im Zentrum von Wilmersdorf, ist eine Steppe. Kaum ein Halm steht mehr auf den Wiesen des mehr als 50.000 Quadratmeter großen Parks zwischen Brandenburgischer und Pommerscher Straße unweit des Fehrbelliner Platzes. Vor allem die große Wiese im Norden sieht schlimm aus.

Nun will das Bezirksamt den Park sanieren. Der ist sogar international bekannt: An vielen Wochenenden ist dort der legendäre „Thai-Markt“, ein informeller Streetfood-Markt, der auch in Reiseführern steht.

Für die Sanierung des Parks stehen nun 1,2 Millionen Euro, gestreckt über mehrere Jahre, bereit. Doch wofür soll das viele Geld ausgegeben werden? Wie soll der Park gestaltet werden? Wer hat dort welche Interessen? Und ruiniert man am Ende mit der Sanierung nicht eine für Berlin einzigartige Einrichtung, die – einmal weg – wohl auch mit viel Aufwand nicht wiederbelebt werden könnte?

Preußenpark sanierungsbedürftig wegen Sturm Xavier, Hitzewelle und Übernutzung 

Um sich klarzumachen, warum es um den Park schlecht steht, lohnt ein Blick zurück: Vor zwei Jahren wütete auch dort Sturm Xavier und warf Bäume um. Die Schäden sind noch nicht alle beseitigt. Voriges Jahr machten die lange Hitze und Dürre der Vegetation zu schaffen. Noch viel mehr aber sind es die Menschen, die den Park zerstören. 

So wie viele innerstädtische Grünanlagen ist auch er viel zu voll – übernutzt, wie Fachleute sagen. Das liegt vor allem am Thai-Markt. Jeden Sonnabend und Sonntag von Ende März bis Anfang November treffen sich Leute aus Thailand, Laos und Kambodscha. Sie breiten Decken aus und verkaufen Spezialitäten wie Frühlingsrollen, Teigtaschen oder Hühnerspieße, die sie zu Hause zubereitet haben.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten geht das so. Da Reiseführer vom exotischen Flair schwärmen, kommen immer mehr Touristen – und so kommen auch immer mehr Anbieter. Das führt zu einer immer größeren Belastung für den Park.

Oliver Schruoffeneger: Keinerlei Hygiene-Einrichtungen sowie kein zentralen Wasser- und Stromanschluss im Preußenpark vorhanden

Das Bezirksamt will diesen Kreislauf nicht unbedingt durchbrechen, sagt der Stadtrat für Stadtentwicklung, Oliver Schruoffeneger (Grüne). Es sei doch schön, wenn ein Park gut angenommen werde. Doch so, wie im Moment dürfe es nicht weitergehen. Man brauche ein Konzept für die Parksanierung und Regeln für den Markt. Derzeit gibt es keinerlei Hygiene-Einrichtungen, keinen zentralen Wasser- und Stromanschluss.

Überall liege Müll herum, weil die Händler ihre Waren oft auf Papptellern verkaufen, die die Kunden einfach wegwerfen. Bei regelmäßigen Spaziergängen sammeln empörte Anwohner säckeweise Müll ein. Ganz davon zu schweigen, dass wohl kaum ein Händler eine gewerberechtliche Genehmigung hat.

Mit dem Umbau des Parks haben sich seit Monaten Studierende der Landschaftsarchitektur der TU Berlin beschäftigt. Einige Entwürfe wurden am Sonnabend in der nahen Robert-Jungk-Oberschule vorgestellt. Der Bezirk erhofft sich Anregungen.

Begrenzung der Verkaufsfläche auf 1000 Quadratmeter im Preußenpark

Stadtrat Schruoffeneger hat sich bereits auf ein paar Eckpunkte festgelegt. So hält er eine Begrenzung der Verkaufsfläche auf 1000 Quadratmeter für sinnvoll, das könnte Platz für etwa 50 Händler bieten. Das wäre eine deutliche Reduzierung: Voriges Jahr kamen manchmal bis zu 100 Händler. Alle Studentenentwürfe sehen eine gesonderte Fläche vor, gepflastert oder aus Beton gegossen, so dass sie sich schon optisch vom Rest des Parks abhebt. In einem der Entwürfe ist außerdem von Marktkarren die Rede, ausgestattet mit einem Sitzgestell und mit Kisten für das Essen, mit Spülkasten und Sonnenschirm.

Diese sollen nach dem Markttag in einem Häuschen im Park abgestellt werden. Jeder Händler müsste solch einen Karren benutzen – dies würde die Zahl der Händler auf ein überschaubares und parkverträgliches Maß beschränken, sagt Schruoffeneger. Außerdem müsse der Markt komplett müllfrei sein.

Ohnehin wird nach Ansicht des Bezirksamts der ordnungsrechtliche Umgang mit den Händlern mindestens so wichtig wie die bauliche Sanierung des Parks. Bisher hat das Ordnungsamt zwar stichprobenartige Kontrollen durchgeführt, geändert hat das an der Anarchie und dem Wildwuchs aber augenscheinlich nichts. „Das ist ab sofort vorbei“, sagt Stadtrat Arne Herz (CDU), „Verstöße werden konsequent sanktioniert.“ Er sagt auch: „Wir wollen nichts kaputtmachen. Der Markt ist lebendig – und das soll er auch bleiben. Wir brauchen aber Regeln.“

Thai-Markt ist bislang eine lose Zusammenkunft mit nach außen unklaren Strukturen

Herz und Schruoffeneger wollen nun einen Betreiber für den Markt finden. Der soll dafür sorgen, dass sich alle Händler an alle Regeln halten. Er wäre auch Ansprechpartner für die Behörden. Das ist besonders wichtig, denn der Thai-Markt ist bislang eine lose Zusammenkunft mit nach außen unklaren Strukturen. Mancher Anwohner spricht von mafiösen Zuständen. So habe man beobachtet, dass die Händler untereinander Glücksspiel betrieben.

Stadtrat Schruoffeneger schwebt als Träger eine soziokulturelle Stiftung vor. Er habe schon Kandidaten im Blick, will aber keine Namen nennen. Er erwartet viele Gespräche, denn: „Ich kenne bisher keinen Markt, der nach so einem Modell arbeitet. Wir betreten Neuland.“