Berlin - Darf man Street Art, die wie der Name schon sagt für den öffentlichen Raum entstanden ist, in einer Ausstellung an die Wand hängen? Noch dazu, wenn diese eindeutig kommerzielle Zwecke verfolgt?

Diese Fragen wirft gerade wieder einmal ein Projekt auf, das sich mit dem Namen des bekanntesten Street-Art-Künstlers überhaupt schmückt: „The Art of Banksy“ heißt die Schau, die zuvor auch schon in Istanbul, Melbourne, Antwerpen und Amsterdam gezeigt wurde und seit Freitag im ehemaligen Nobel-Club Felix auf der Rückseite des Hotels Adlon gastiert.

Mehr als 80 Motive des Künstlers im Gesamtwert von mehr als 20 Millionen Pfund  werden, gerahmt oder auf Leinwand, in der Berliner Ausstellung „The Art of Banksy“ gezeigt – darunter das ikonische "Girl with Balloon" und das politisch aufgeladene „Media“, das Bild eines blutenden Mädchens mit Teddybär,  das umringt von Kameramännern in einer zerbombten Stadt steht.

Alle Werke  sind Leihgaben von 40 internationalen Sammlern  und wurden von dem britischen Galeristen Steve Lazarides ausgewählt, der Banksy bis 2008 gemanagt haben soll. „In dieser Zusammenstellung werden die Kunstwerke danach nicht mehr zu sehen sein“, sagt er über die rätselhafte Berliner Schau, die nicht einmal einen offiziellen Internetauftritt hat. 

Rätsel um Identität

Welche Person hinter den meist einfarbigen Stencils – so nennt man die mit Sprühdose und Schablone binnen von Sekunden kreierte Street-Art-Gattung – steckt, oder ob es gar mehrere sind, weiß bis heute niemand. Nach ihrer Entstehung tauchen sie als Foto auf der offiziellen Webseite von Banksy auf und gelten allein dadurch als autorisiert.

Banksy signiert seine Werke nie – schon allein, weil er dann strafrechtlich belangt werden könnte, immerhin gilt sein Besprühen städtischer Flächen öffentlich als Vandalismus. Trotzdem oder gerade deshalb erzielen seine Werke  Millionensummen auf dem Kunstmarkt – und wurden dafür sogar schon aus der Grenzmauer im Gazastreifen gefräst, für die ihre politische Botschaft eigentlich gedacht war.

Nicht von Banksy autorisiert

Auch die aktuelle Ausstellung findet ohne Genehmigung des Künstlers statt – was den Hype nur noch verstärken dürfte. Wie fragwürdig das ganze Unterfangen ist, zeigt auch die Wahl des Ausstellungsortes. Statt in einer renommierten Galerie oder im Museum ist sie in den dafür angemieteten Räumlichkeiten des seit Mitte Mai geschlossenen Clubrestaurants Felix  zu sehen. Der Laden war einst beliebt bei Zehlendorfer Jugendlichen, die hier in abgetrennten VIP-Lounges Edel-Vodka  fließen ließen.

Ein Party-Image, das wohl eher nach München als ins runtergerockt-coole Berlin passt – und auch nicht zu einem Künstler, der mit konsumkritischen Motiven berühmt geworden ist. Der Eintritt  für die Banksy-Schau kostet stolze 18,25 Euro. Gefragt ist sie trotzdem - vielleicht auch, weil Street Art nach dem Erfolg der Gratis-Schau "The Haus" in aller Munde ist: Die über das Tourismus-Portal Visit Berlin verkauften Tickets sind für die ersten beiden Tage nach der Eröffnung bereits ausverkauft. 

„The Art of Banksy“, Behrenstr. 72, bis 15.9., Mo-So 10-20 Uhr, Eintritt 18,25 Euro, ermäßigt 15 Euro