Die Zeit enger Massenunterkünfte für Flüchtlinge in Berlin ist vorbei. Selbst die größte im ehemaligen Flughafengebäude Tempelhof macht bald dicht. Ein Nachnutzer der altehrwürdigen Hangars ist schon gefunden. Auch andere erfüllen derweil eine andere Funktion.

Zwar ist der Flüchtlingsansturm abgeflaut, die Lage in Berlin bleibt aber nach Angaben der Senatssozialverwaltung angespannt. „Es fehlen Plätze in Erstaufnahme- und Gemeinschaftsunterkünften, so dass weiterhin Geflüchtete in Notunterkünften untergebracht sind“, sagte Sprecherin Regina Kneiding.

Rückgängige Belegungszahlen in Unterkünften

Gleichzeitig wurden inzwischen viele dieser Herbergen endgültig geschlossen, und beispielsweise Turnhallen werden seit März nicht mehr für die Aufnahme von Flüchtlingen verwendet. Während zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015 noch etwa 55.000 Menschen pro Jahr und damit fast 4600 pro Monat ankamen, sind es laut Senatsverwaltung gegenwärtig nur noch bis zu 800 pro Monat.

Die Belegungszahlen gehen seit 2016 Monat für Monat zurück. Waren zum 12. November 2016 noch mehr als 36.000 Plätze in Erstaufnahme-, Not- und Gemeinschaftsunterkünften vergeben, so waren es zum 12. Juli 2017 nur noch knapp über 27.000, wie das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten mitteilte.

Volksbühne bespielt Tempelhof-Hangar

Die größte Notunterkunft in den Hangars auf dem früheren Flughafen Tempelhof beherbergt zur Zeit noch 300 Menschen. „Wir haben hier durch Stellwände abgetrennte Wohnwaben von jeweils zirka 25 Quadratmetern Größe. Früher waren auf so einer Fläche bis zu zwölf Menschen in Etagenbetten untergebracht, heute sind es nur noch drei bis vier Bewohner“, sagte der Geschäftsführer des Betreibers Tamaja, Michael Elias. Die Notunterkunft stehe kurz vor der Schließung und soll bis September vollständig geräumt sein.

Die Volksbühne will dort eine Zweitspielstätte für Theater und Tanz eröffnen. „Die Idee, das Flughafengebäude für Kunst und Kultur zu nutzen, entstand bereits in der Zeit vor der Flüchtlingsunterbringung. Wir freuen uns sehr, die großen Räume bald zu bespielen. Der Flughafen bietet ein einzigartiges Ambiente“, sagte der Sprecher der Volksbühne, Johannes Ehmann.

Große Investitionen in Bühnentechnik seien kurzfristig nicht nötig, die Hangars könnten zum Teil direkt in die Vorführungen eingebunden werden. Erster Termin ist die Tanzveranstaltung „Musée de la danse - A Dancer“s Day“ des Choreographen Boris Charmatz am 14. September im Hangar 5. Außerdem sind einige Vorführungen unter freiem Himmel vor dem Gebäude geplant.

Weiterhin Flüchtlinge am Flughafengelände

Aber auch künftig werden Flüchtlinge auf dem Flughafengelände wohnen, diesmal jedoch in einer Gemeinschaftsunterkunft mit Selbstverpflegung. Dazu entsteht draußen auf dem Vorfeld ein Containerdorf mit einer Kapazität für bis zu 1100 Menschen. Laut Berliner Tempelhof-Gesetz ist diese Nutzung jedoch nur noch bis Ende 2019 möglich.

In Reinickendorf, an der Hennigsdorfer Straße, sollte ursprünglich eine komplette Fabrikhalle zur Notunterkunft für Flüchtlinge umgebaut werden. Sie war im Dezember 2015, zu Zeiten des größten Zustroms, angemietet worden, wie die Sprecherin der Senatssozialverwaltung, Kneiding, berichtete. Mit den sinkenden Zugangszahlen nach dem ersten Quartal 2016 sei es dann nicht mehr notwendig gewesen, die Fabrik mit hohen Investitionen herzurichten. Jetzt werde das Gebäude als Lagerhalle genutzt, der Mietvertrag sei inzwischen gekündigt.

Reserveunterkünfte wären dennoch vorhanden. So wird auf dem Gelände der ehemaligen Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau seit Juni 2016 eine Traglufthalle für bis zu 500 Personen vorgehalten. Kneiding: „Die Erfahrungen aus dem Jahr 2015 haben gezeigt, dass es geboten ist, kurzfristig nutzbare Kapazitäten für unerwartet hohe Flüchtlingszugänge vorzuhalten.“

Wohnungsknappheit ist Problem

Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge wohnen inzwischen in Gemeinschaftsunterkünften. Neben Containerdörfern sollen mehrere „modulare Flüchtlingsunterkünfte (MUF)“ gebaut werden, moderne Wohnblöcke in Beton-Fertigbauweise mit abgeschlossenen Wohnungen für Familien. In Marzahn-Hellersdorf sind bereits solche Gebäude für mehrere hundert Menschen entstanden. Die Wohnblöcke können auch nach dem Ende der Nutzung durch Flüchtlinge weiter zu Wohnzwecken vermietet werden.

Ein großes Problem ist die allgemeine Wohnungsknappheit. Nach Auskunft des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten bleiben schon jetzt mehr als 10 000 Menschen in den Unterkünften, obwohl sie aufgrund ihres Aufenthaltsstatus' nicht mehr dort wohnen müssten. (Björn Graas/dpa)