Berlin - Homosexuelle machen anders Urlaub als Familien, sagt Thomas Bömkes, der ITB-Beauftragte für Gay & Lesbian Travel. Sie zieht es an Orte, wo sich die Community trifft. Schwule machen Strandurlaub auf Ibiza, Lesben auf Lesbos. Sie fahren zum Christopher-Street-Day nach New York und übernachten in Hotels, wo gleichgeschlechtliche Paare ohne Probleme ein Doppelzimmer kriegen. 

Immer Reiseveranstalter haben sich auf dieses Segment spezialisiert, es ist nämlich sehr lukrativ. „Schwule Paare sind meist Doppelverdiener und kinderlos, es gibt niemand, dem sie etwas zu vererben haben, sie verprassen ihr Geld“, sagt er. Lesbische Frauen hingegen hätten oft Kinder, seien alleinerziehend und würden schlechter verdienen als Männer. „Sie gehen im Urlaub eher wandern.“

Bioschnaps und vegane Kost

So manche, die zu Hause im Bioladen einkaufen, möchten auch im Urlaub nicht auf Öko-Kost verzichten, sagt der Tiroler Ron Schmid vom Verein Biohotels, dem 84 Häuser in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien und Griechenland angehören. In diesen Hotels werden die Produkte ausschließlich aus der biologischen Landwirtschaft bezogen.

Viele Gäste seien Allergiker, es wird vegetarische und vegane Kost angeboten. Das heißt nicht, dass die Feriengäste nicht schlemmen können. Fleisch steht auch auf der Speisekarte. „Und es gibt auch ganz dolle Schnäpse von biologischer Qualität“, beteuert Schmid.

Darüber hinaus beziehen die Hotels keinen Atomstrom, verwenden nur Recycling-Papier sowie ökologisch unbedenkliche Reinigungsmitte. Die Preise vom kleinen Bettenhaus bis zum Seminarhotel bewegen sich zwischen 35 und 280 Euro pro Übernachtung.

Gletscher erklimmen

Seit 1992 organisiert Helga Arntzen –  in Heidelberg geboren, in Ost-Berlin aufgewachsen und vor Jahrzehnten nach Norwegen verheiratet – Klassenfahrten unter dem Motto Frieden und Menschenrechte. „Damals waren in Norwegen die Neonazis ganz stark. Ich wollte sie weg haben“, sagt die 69-Jährige. 

14.000 norwegische Schüler der 10. Klasse gehen mit ihrer Agentur pro Jahr auf Reisen, die von Auschwitz zum ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin führen. Ein Tag Zwischenstopp wird  in den Tropical Islands in Brandenburg eingelegt.„Die Schüler müssen sich zwischendurch auch entspannen“, sagt sie. Nach den Reisen kämen sie gestärkt zurück. „Sie engagieren sich gegen rechte Gewalt“, sagt Helga Arntzen. Kürzlich wurde ihr das deutsche Bundesverdienstkreuz überreicht. Sie will  bald auch Workshops für deutsche Jugendliche in Norwegen anbieten.

Peter Simonsen  hat 15 Jahre lang in Grönland gelebt. Die unwirtliche Insel mit ihrer faszinierenden Natur hat  den Dänen nicht mehr losgelassen. Er bietet Gruppenreisen nach Grönland an. Je nach Konstitution können die Kunden entscheiden, ob sie mit dem Schiff oder dem Hundeschlitten reisen, Gletscher erklimmen, Wale beobachten, im Zelt oder im Hotel übernachten wollen.

„Ein Abenteuer ist Grönland immer“, sagt Simonsen. 25 unterschiedliche Touren hat Greenland Travel im Angebot. „Unsere Gäste sind meist über 50“, berichtet er. Sie hätten das nötige Geld – ein Grönland-Trip ist nicht unter 2 500 Euro zu haben – und  in ihrem Leben schon viel gesehen. Angeboten werden die Touren von Februar bis November. „Im Winter ist es zu dunkel und zu kalt.“

Kunst und Genever

Einkommensstarke Best-Ager sind auch das Hauptklientel für Kunstreisen. Zum Beispiel nach Belgien. Für 89 Euro pro Nacht im Vier-Sterne-Hotel können Kulturbeflissene zur europäischen Biennale die Museen von Gent und Antwerpen besuchen. Natürlich mit Guide. „Zum Programm gehört auch eine Bier- und Geneverprobe“, sagt Ruth Kungl vom Reiseveranstalter Art Cities in Konstanz.

Die Gruppenreisen werden häufig von Kunstvereinen gebucht, die ihren Mitgliedern etwas bieten wollen. „Wir organisieren ein Rund-um-Programm für Menschen, die nicht unbedingt einen kulturellen Hintergrund haben, aber mitreden möchten.“