Thilo „Baby“ Goos Black Box Music: Der ostdeutsche American Way of Life

Mit einer Garage in Prenzlauer Berg fing alles an. Dann kam die zweite, die dritte, die vierte Garage. So gründete Thilo „Baby“ Goos 1992, anfangs noch mit zwei Mitstreitern, Black Box Music (BBM) – eine Technikverleihfirma, die stetig wuchs.

Heute sind Stars wie Cher mit seinem Ton-Equipment weltweit unterwegs. War er anfangs noch Techniker für die Band No 13, kamen später The Inchtabokatables, Bobo in White Wooden Houses dazu und schließlich Rammstein. Alles liest sich wie eine mühelose Erfolgsgeschichte, doch mit Rammstein hörte der Erfolg auch kurzzeitig auf: Die Band wurde zu schnell zu groß für BBM.

Das wollte Goos aber nicht auf sich sitzen lassen. Er arbeitete zwölf Stunden, sieben Tage in der Woche und ließ sich herausfordern. Hier in Berlin, dem Melting Pot der Musikszene, wollte er nicht irgendwer bleiben. Goos begriff schnell, dass auch im Rock’n’Roll-Bereich Tugenden wie Disziplin, Professionalität, Zuverlässigkeit und Kreativität gefordert sind. Und offenbar kann er auch gut rechnen. Längst steht BBM für hochwertige Technik im High-End-Bereich und wird von nationalen und internationalen Künstlern wie Silbermond, Seeed oder Sade gebucht. Kollegen sagen: „Baby ist nicht ehrgeizig, sondern verrückt“. Sie finden, er ginge „den American Way of Life – auf Ostdeutsch.“ Tatsächlich ist dieser Mann frei von jeder Angst, probiert vieles aus und wagt noch mehr – nur eines würde er nie tun: den Erwartungen anderer entsprechen. Ein Gespräch mit dem Berliner Unternehmer Thilo „Baby“ Goos.

„Baby“ – wie kam es zu dem Spitznamen?

Als ich 1988 nach Berlin gekommen bin, niemanden kannte, nahm mich mal jemand mit auf eine Party. Dann wurde er gefragt, was er fürn Riesenbaby mitgeschleppt habe. Ich war halt groß und wirkte ein bisschen unbeholfen. Später habe ich versucht, mich Thilo Goos zu nennen. Das war total verwirrend, denn die Leute verlangten nur nach „Baby“. Jetzt bin ich Thilo „Baby“ Goos.

Die Leute, die nach Ihnen verlangen, sind unter anderem die Manager weltbekannter Künstler. Wen haben Sie schon zu sich nach Pankow geholt? Welche Künstler bereiteten sich hier schon auf ihre Touren vor?

Viele, wirklich viele. Internationale Bands wie Linkin Park, Destiny’s Child oder 50 Cent haben sich in unseren Hallen eingemietet und ihre Shows vorbereitet. Manchmal blieb es auch dabei. Ich bin da ja völlig offen. Keiner muss seine Tour mit uns buchen, nur weil er hier probt. Als Technikdienstleister betreuen wir zum Beispiel die Beatsteaks, The Boss Hoss, auch mal Grönemeyer, In Extremo, Silbermond, Flying Steps, Seeed und viele andere.

Bei den nationalen Bands werden Sie aber immer zuerst mit Rammstein in Verbindung gebracht ...

Ja, das kann ich nicht mehr hören. Natürlich waren wir von Anfang an dabei. Zwischendurch habe ich sie ein paar Jahre verloren, weil die Band zu groß für uns geworden ist. Das hat mich gewurmt, und irgendwann hatten wir wieder den Anschluss erreicht. Aber wir können uns nicht nur von einer Band abhängig machen. Rammstein wird die nächsten drei, vier Jahre nichts machen. Da ist es doch gut, wenn wir es dieses Jahr mit Cher geschafft haben, wenigstens im Ton – dafür aber weltweit. Wie bei Sade. Und Gossip statten wir sogar komplett aus.

Wie ist es eigentlich, wenn 50 Cent seine Europa-Tournee in Pankow probt?

Wir reden darüber nicht, das steht in unserem Kodex. So können auch die Techniker nicht rumerzählen, was sie mit den Künstlern im Bus erleben. Im Nachhinein kann ich sagen: Wenn 50 Cent hier probt, bekommt er von uns das, was er braucht.