Es kommt selten genug vor, dass die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus mit einer Stimme spricht. Umso bemerkenswerter, dass nun drei Abgeordnete aus den drei Fraktionen sogar gemeinsam einen Schlager singen. „Sie suchen nach dem Morgen“ heißt der Schlager, er handelt von der Flüchtlingskrise und dient gleich mehreren guten Zwecken.

Zum einen sollen mit dem Verkauf der CD Spenden gesammelt werden für den Flüchtlingsrat und den Chor „Berliner singen mit Flüchtlingen“.

Zum anderen wollen Thomas Birk (Grüne), Fabio Reinhardt (Piraten) und Hakan Tas (Linke) für Toleranz und Mitmenschlichkeit werben. „Wir wollen die Menschen erreichen, die zwischen den Argumenten schwanken und einen emotionalen Appell brauchen“, sagt Thomas Birk.

Premiere feierte das Lied am Montagabend in Charlottenburg. Auf der Bühne des "Wilde Oscar" wurde der Song im Rahmen einer Record-Release-Party vorgestellt.

Gesungen ist so ein Appell natürlich besonders eindringlich. Zumal der Text nicht nur die Not der Flüchtlinge beschreibt („Das, was ihre Augen sahen / ist für uns kaum vorstellbar“), sondern auch mit die Bequemlichkeit der Deutschen kritisiert („Wir seh’n viel als selbstverständlich / und den Wohlstand als geschenkt“) und an die wohltuende Wirkung der Solidarität erinnert („Dabei ist man so viel reicher / wenn man auch an andre denkt“).

Der Text stammt aus der Feder des Berliner Schlagersängers und Kabarettisten Donato Plögert, der ebenso wie der Unternehmer Daniel Worat auch mitsingt. Die Melodie schrieb Christian Bruhn, dessen „Zwei kleine Italiener“ von 1962 als erster deutscher Schlager mit Migrationsthematik gilt.

Fabio Reinhardt, flüchtlingspolitischer Sprecher seiner Fraktion, fremdelte mit der Form des Politschlagers offenbar am meisten, in seinem Blog hat er eine umfangreiche Rechtfertigung unter Zuhilfenahme von Adorno veröffentlicht. Umso dringlicher ist ihm das Anliegen. Gerade erst ist Reinhardt von einer Reise entlang der Balkanroute zurückgekehrt. „Ich kann nur jedem Politiker empfehlen, nach Lesbos zu fahren und sich dort anzuschauen, wie die Menschen bei Wind und Wetter in kleinen Gummibooten übers Meer kommen“, sagt er.

Obwohl keine Koalitionspolitiker mitsingen, haben übrigens auch SPD und CDU die Produktion des Songs unterstützt, sogar die FDP hat gespendet. Auch das dürfte einmalig sein, dass Parteien ihre Kontrahenten auf diese Weise unterstützen. Aber es geht ja um die Sache. Fast ausschließlich.