Der neue Thriller des Berliners Sebastian Fitzek heißt „Der Heimweg“ und behandelt mal wieder eine Urangst des Menschen: Lauert nicht hinter jedem Baum in der Dunkelheit ein Meuchelmörder? Das Buch, das heute erscheint, wird aller Voraussicht nach, wie inzwischen alles, was Fitzek so anfasst, zum Erfolg. Nicht umsonst lautet sein Vorname inzwischen Bestsellerautor. Die Einlösung eines Versprechens, das Fitzek seinen Lesern gemacht hatte, musste er gerade vertagen: „Die gegenwärtige Corona-Situation zwingt uns dazu, meinen längsten Heimweg zu verschieben, bei dem ich ab dem 22. Oktober mit meinem neuesten Thriller ‚Der Heimweg‘ zu Euch nach Hause kommen wollte.“

Für Fitzek war Corona zunächst eine „prima Ausrede, sämtliche Sporteinheiten ausfallen zu lassen. Ich habe mich viel länger auf der Couch und im Bett gelümmelt, wahnsinnig viel ferngesehen. Und meine Bildschirmzeit auf dem Handy ging auf 8 Stunden 30 hoch.“ Folge war ein Hexenschuss, der nie so richtig wegging. „Jetzt habe ich wieder mit dem Sport angefangen und mir gleich einen Nerv eingeklemmt.“

Nach der Zeit der unfreiwilligen Ruhe musste der Autor sich selbst ermahnen: „Jetzt mach was Produktives! Daraus entstanden ist der Kurzgeschichtenband ‚Identität 1142‘, den ich mit meinen Instagram-Followern geschrieben habe. Das war ein Arschtritt, den ich mir selber verpasst habe, um mich nicht nur passiv mit schlechten Nachrichten berieseln zu lassen.“

Der Autor musste sich auch zwingen, mal wieder ein Buch zu lesen: „Aber durch die Reizüberflutung am Tag bin ich am Abend über dem Buch sofort eingeschlafen.“ Was ihm in dieser Zeit wirklich gefehlt hat, waren die Lesungen: „Wenn man schreibt, bekommt man keine Reaktionen, außer Kritiken und Kommentare. Aber ein Musiker wird ja auch nicht glücklich, wenn er eine Besprechung seines neuen Albums liest, der möchte auf die Bühne und Feedback haben.“

Bei vielen klingt es wie eine Floskel, ihm nimmt man das tatsächlich ab: „Ich bin mein größter Kritiker. Es gibt kein einziges Buch, mit dem ich hundertprozentig zufrieden wäre. Es gibt aber auch keines, bei dem ich sage, das würde ich zurückziehen wollen.“ Fitzek macht eine Ausnahme: „In der jetzigen Situation würde ich ,Noah' wegen der Verschwörungstheorien nicht veröffentlichen. Aber das war Unterhaltung. Ich hätte mir nie gedacht, dass das mal jemand für bare Münze nehmen könnte.“

Am Beispiel einer kleinen, fiesen Idee in Fitzeks neuem Thriller kann man sehr gut sehen, wie er auf die Schockmomente in seinen Geschichten kommt. In „Der Heimweg“ gibt es ein durchsichtiges Wasserbett, in dem Leichenteile schwimmen. Darauf kam er auf einer Lesetour: „In irgendeinem Hotelzimmer musste ich auf einem Wasserbett schlafen. Da habe ich mir gedacht: Was würde zu diesem ekligen Geräusch passen? Womit könnte man das Bett füllen, damit es komplett ekelhaft wird?“

In „Der Heimweg“ erwähnt Fitzek das auf private Initiative eingerichtete und betriebene Heimwegtelefon 030-120 74 182, das anrufen kann, wer auf dem dunklen Weg nach Hause akustischen Beistand sucht. Solche Elemente aus der Realität sind ihm in seinen Büchern wichtig: „Ich glaube, dass jede gute Lüge einen wahren Kern braucht, damit man sie glauben kann.“

Furcht in der Dunkelheit ist Fitzek nicht fremd: „Ich habe aber ein wunderbares Ventil dafür - ich denke sofort über eine Geschichte nach. Mir geht dann auch ganz rational durch den Kopf, dass es statistisch absolut unwahrscheinlich ist, dass der Täter auf einen nachts hinterm Baum wartet. Statistisch gesehen läufst du eher Gefahr, dem auf den Stufen zum Polizeirevier zu begegnen.“

In den Büchern von Fitzek ist auch immer dessen Mailadresse für den Kontakt zu den Lesern abgedruckt. Wer nun denkt, dass die Nachrichten an fitzek@sebastianfitzek.de irgendwo in einem Serverkeller landen und niemals von einem menschlichen Auge betrachtet werden, irrt sich. Diese Mails landen tatsächlich auf Fitzeks Mobiltelefon: „Das lese ich alles.“ So erreichen ihn auch gelegentlich Erinnerungen an ein inzwischen zehn Jahre altes Versprechen: „2010 habe ich großspurig angekündigt, dass ich die Augensammler-Trilogie auf den Markt bringe. Da entstand ‚Der Augensammler‘ und ‚Der Augenjäger‘ und das war es dann. Aber jetzt glaube ich, könnte die ‚Augensammler‘-Trilogie 2021 tatsächlich ihren Abschluss finden.“