Marnix Krop, Botschafter der Niederlande, bat am frühen Dienstagnachmittag seine Gäste für einen Moment um Vorstellungsgabe. „Nur für diesen einen Moment. Nur für diesen einen Tag. An diesem Tag wird aus der Spree eine Gracht und aus dem Alexanderplatz der Willem-Alexanderplatz.“

Krop hatte einen wirklich guten Grund, um ein wenig Fantasie zu bitten. Schließlich hatte er in die Botschaft in der Klosterstraße in Mitte geladen, um  den traditionellen Königinnentag zu feiern. Und der war in  diesem Jahr ein ganz besonderer: Am Dienstag bestieg Willem-Alexander den Thron der Oranjes, den seine Mutter  Beatrix für ihn freigemacht hatte.

Auf mehreren Fernsehern und einer großen Leinwand verfolgten die rund tausend Gäste aus Politik und Gesellschaft im Bau von Star-Architekt Rem Koolhaas die Feierlichkeiten im fernen Amsterdam. Sie sahen, wie Willem-Alexander und Maxima mit viel Pomp und einigem Ernst in die Nieuwe Kerk einzogen – und wie Beatrix alles gnadenlos  niederlächelte. Und wie jeder einzelne Parlamentsabgeordnete auf das neue Staatsoberhaupt schwor. Dazu gab’s Sekt, Cocktails mit Genever und den obligatorischen Matjes-Hering.

Ein inniges Verhältnis zum Nachbarn

Anders als an den Grachten trug man an der Spree sein niederländisch-königstreues  Herz nicht ganz  so offen vor sich her. Zwar sah man eine ganze Menge  orange Krawatten, Röcke oder Halstücher, auf grellfarbene Perücken oder ähnlich auffälligen Kopfputz aber wurde zum Beispiel ganz verzichtet. Es dominierte der gedeckte Business-Anzug zum häufig schon ergrauten Haar. Ab und an zeigte sich ein Mitglied des Diplomatischen Corps in Ausgehuniform. Ist doch auch  immer wieder schön, wenn  man mal all seine  blitzenden Orden und Abzeichen vorzeigen kann.

Neben den Botschaftern aus den USA, Israel, Marokko und Weißrussland, machte auch Altbundespräsident Richard von Weizsäcker dem Repräsentanten von Seiner Majestät Willem-Alexander in Berlin seine Aufwartung. Ebenfalls der Einladung gefolgt waren der frühere Umweltminister Norbert Röttgen und der amtierende CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn.

Gänzlich ohne oranges Accessoire kam auch Markus Meckel aus. Der letzte Außenminister der DDR hat nach eigenem Bekunden schon lange ein recht inniges Verhältnis zu den Nachbarn im Westen. „Die Niederlande haben 1990 viel zur Einheit beigetragen“, erinnert der SPD-Politiker. Er habe in seiner Amtszeit Kontakte nach Amsterdam geknüpft, die bis heute gepflegt würden. Sprach’s und zog sich sich wieder an seinen Tisch zurück, wo er angeregt mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs weiterplauderte.

Regelmäßig im Land der Deiche

Auch Gesine Lötzsch feierte mit den Gastgebern. Die Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag hat seit ihrem Studium eine innige Verbundenheit zu Holland. Sie war eine der ganz wenigen Niederlandisten in der DDR.  „Das war damals ein Nebenfach bei den Germanisten an der Humboldt-Uni“, erzählte sie am Dienstag, „wirklich ein Orchideenfach“. Seitdem reist die Abgeordnete regelmäßig in das Land der Deiche. Und macht genau so regelmäßig „die Erfahrung, dass es um die Beziehung beider Staaten ganz gut steht.“

Bereitwillig ließ Gesine Lötzsch sich vor der eigens für diesen Tag an einer Wand montierten royalen Ehrentafel fotografieren. Überhaupt habe sie sich eigens vor diesem Tag intensiver mit der holländischen Monarchie beschäftigt als sie dies normalerweise tue, so Lötzsch. Das Ergebnis: „Von dem neuen König erwarte ich nichts wirklich anderes als von seiner Mutter.“

Botschafter Krop dagegen wird es schon bald leibhaftig mit seinem neuen Königspaar zu tun bekommen. Schon am 3. Juni wollen Willem-Alexander und Maxima ihren Antrittsbesuch in Berlin bei Bundespräsident und Kanzlerin absolvieren. Eine Deutschlandreise war  schon geplant, bevor Beatrix ihren Thronverzicht bekanntgab. So wird aus diesem reinem Wirtschafts- ein offizieller Staatsbesuch. Bis dahin werden Krops Leute sicher auch das Beatrix-Foto vom Schreibtisch des Botschafters durch eines der neuen Durchlauchten ersetzt haben.