Wenn der Thüringer feiert, gibt er alles. Das trifft auch dann zu, wenn sich das kleine Bundesland mit einem großen Sommerfest in der Hauptstadt präsentiert.

Beim Sommerfest ließ sich leicht erkennen, wer Thüringer ist und wer nicht

Solche Feste sind üblich bei den Landesvertretungen in Berlin. Weil die ja die Interessen ihrer Länder beim großen Bund vertreten und gute Kontakte bekanntlich dabei bestens helfen. Und wo pflegt man besser Kontakte als bei Bier und Wurst und Wein?

Apropos Wurst. Schon von weitem roch es am Dienstagabend aus der Mohrenstraße in Mitte, wo die Landesvertretung sitzt, nach Gegrilltem. Nach original Thüringer Bratwurst natürlich. Das Bratwurstmuseum in Holzhausen hatte eigens einen Grillmeister in die Hauptstadt entsandt. Die Schlangen vor den Ständen waren entsprechend lang. Wobei der Kenner der Szene gleich erkannte, wer unter den vielen hundert Gästen ein echter Thüringer war und wer nicht. Der echte Thüringer nimmt nämlich nur Senf und nie im Leben Ketchup zu seiner Wurst.

Thüringer Klöße sind hohe Kunst - nur echte Thüringer können sie produzieren

Besonders präsent war ein kleiner Ort in der Nähe von Weimar, der hier explizit erwähnt werden soll, um mal ein bisschen Werbung für die Heimat der Autorin zu machen. Die Rede ist von Heichelheim, wo gerade einmal 300 Menschen leben. Die sind aber offenbar sehr innovativ. Das Hexeneis wurde dort wieder aufgelegt – ein Klassiker in Form von Stiel- und Bechereis, wie man ihn aus DDR-Zeiten kennt. Das Witzige ist, dass es dazu auch die bunten Plastiklöffelchen mit den eingestanzten Namen wie Ines oder Steffi wieder gibt. (Erinnert sich da jemand?)

Ganz berühmt sind die Heichelheimer aber wegen ihrer Thüringer Klöße. Die sind hohe Kunst und gehören zu Thüringen wie die Bratwurst. Ich wage zu behaupten: Nur der echte Thüringer kann echte Thüringer Klöße produzieren. Die gibt es übrigens als Schab im Kühlregal oder tiefgefroren sogar in Berlin.

Auf dem Sommerfest gibt es Innovationen - auch bei Thüringer Klößen

Jetzt haben die Heichelheimer ihren Kloßteig in die Fritteuse geworfen und warten neuerdings mit Kloß-Pommes auf. Erfinder Jens Löser aus Stützerbach hat seine „Weltneuheit“ nach Geheimrezept höchstpersönlich auf dem Sommerfest präsentiert und empfiehlt die Kartoffelstäbchen mit süßen und herzhaften Dips.

Liebe Heichelheimer: Eure Klöße sind die besten und werden nur noch von meinen eigenen übertroffen! Doch trotz aller Innovation: Bitte nicht mit Apfelmus und Sahne!