Berlin - Vor dem ehemaligen Staatsratsgebäude in Mitte soll ein fast 26 Meter hoher Neubau mit einer Glasfassade entstehen. Das sieht der Entwurf des Hamburger Architekturbüros Schweger und Partner vor, der den ersten Platz im Wettbewerb zur Gestaltung der Hauptstadtrepräsentanz von ThyssenKrupp gewonnen hat. Am Donnerstag wurden die Pläne präsentiert.

Nach dem preisgekrönten Entwurf soll ein fast würfelförmiger Neubau mit einer Terrasse über dem zweiten Obergeschoss errichtet werden. Im Erdgeschoss ist ein Café geplant, in den Obergeschossen sollen Veranstaltungsräume und Büros entstehen. Das Problem: Das ThyssenKrupp-Haus soll direkt vor dem ehemaligen Staatsratsgebäude gebaut werden – nur 14 bis 16 Meter von dem denkmalgeschützten Haus entfernt. Das sorgt für Streit. „Das ist kein geeigneter Bauplatz“, sagt Theresa Keilhacker von der Plattform Nachwuchsarchitekten, einer Gruppe junger Planer. „Ich hätte mir gewünscht, dass an der Stelle ein öffentlicher Ort entsteht, der den Blick auf das Staatsratsgebäude auf der vollen Länge frei lässt.“

Dass auf dem Grundstück vor dem Staatsratsgebäude gebaut werden soll, geht auf eine Planung des früheren Senatsbaudirektors Hans Stimmann zurück. Der setzte sich dafür ein, dass sich die Bebauung am historischen Stadtgrundriss orientiert. Die Straße vor dem Staatsratsgebäude wurde bereits verlegt. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher steht hinter dem preisgekrönten Entwurf. „Ich glaube, es ist der vernünftige Weg, eine zeitgenössische Architektur zu realisieren“, sagte sie. Lüscher verwies zugleich darauf, dass sie nach dem Erwerb des Grundstücks durch ThyssenKrupp ins Amt gekommen sei.

Neubau mit anspruchsvoller Architektur

ThyssenKrupp will sich mit dem Neubau in Berlin als Konzern für „zukunftsorientierte Technologien“ präsentieren, sagte der Geschäftsführer der ThyssenKrupp Real Estate, Martin Grimm. Ziel sei es, einen Neubau mit anspruchsvoller Architektur zu schaffen. Die Baukosten belaufen sich auf 15 bis 20 Millionen Euro. Ob das Gebäude so realisiert wird, wie es der Wettbewerbsentwurf vorsieht, lässt der Konzern offen. Über den Entwurf solle mit den Berlinern diskutiert werden. „Wir werden das nicht durchboxen“, sagte Grimm. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher kündigte an, sie wolle einen Bebauungsplan für das Projekt aufstellen. Das bedeutet, dass es eine Bürgerbeteiligung gibt. Die Linken-Abgeordnete Katrin Lompscher sagte, ihre Fraktion werde dem Bebauungsplan nicht zustimmen. „Eine so dichte Bebauung vor dem Staatsratsgebäude wollen wir nicht.“ Das denkmalgeschützte Gebäude werde dadurch beeinträchtigt und für die Figur des Schlossplatzes sei die Bebauung nicht nötig. Ähnlich äußerte sich der Bauhistoriker Bruno Flierl. Er sagte, die Planung aus der Zeit Stimmanns sei „überholt“.

ThyssenKrupp hatte das 737 Quadratmeter große Baugrundstück für 3 766 Euro vom Land Berlin erworben. Der Preis war so niedrig, weil damit Mehraufwendungen des Konzerns für das schwierige Baugrundstück in Höhe von 1,87 Millionen Euro verrechnet wurden. So muss unter anderem ein Regenüberlaufkanal überbaut werden. Der Grünen-Abgeordnete Jochen Esser kritisierte: „Mich stört, dass ThyssenKrupp zu einem Schnäppchenpreis zu einem Grundstück gekommen ist, dessen Bebauung städtebaulich keinen Sinn macht.“
Die Entwürfe sind bis zum 11. Februar im Staatsratsgebäude zu sehen. Mo - Fr 16 bis 20 Uhr, Sa und So 12 bis 20 Uhr.