Berlin - Am 1. Januar 2015 ist es wieder so weit: Die Fahrpreise im Berliner und Brandenburger Nahverkehr steigen. Fahrten mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), der S-Bahn Berlin GmbH und anderen Unternehmen werden teurer. Doch diesmal soll die Tariferhöhung bei Bus und Bahn deutlich moderater ausfallen als bisher. Nach Informationen der Berliner Zeitung ist geplant, dass die Preise im Durchschnitt um 2,3 Prozent steigen. Zuletzt stiegen die Tarife um jeweils durchschnittlich 2,8 Prozent.

Den Planungen zufolge soll ein Fahrschein für das Berliner Stadtgebiet von Januar an 2,70 Euro kosten – derzeit sind es 2,60 Euro. Auch der Fahrschein für den Tarifbereich Berlin ABC, der für Berlin und Teile des Umlands gilt, soll sich um zehn Cent verteuern. Vom nächsten Jahr an werden 3,30 Euro fällig – heute sind es 3,20 Euro. Die Monatskartenpreise steigen ebenfalls. Eine Umweltkarte für das Stadtgebiet soll mit 79,50 Euro zu Buche schlagen – jetzt werden 78 Euro verlangt. Der Preis der Umweltkarte Berlin ABC wird auf 98,50 Euro erhöht – derzeit kostet sie noch 97 Euro.

Auf diesen Tarifkatalog haben sich die Verkehrsunternehmen dem Vernehmen nach verständigt. Ob er in Kraft tritt, entscheiden aber nicht sie, sondern die Politiker, Landräte und Bürgermeister im Aufsichtsrat des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). Das oberste Gremium soll am 9. Oktober wieder tagen. „Dann werden die Fahrpreise ein wichtiges Thema sein“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Beobachter gehen jedoch davon aus, dass der Aufsichtsrat den Tarifkatalog durchwinkt. „Im Vorfeld hat es viele Abstimmungen gegeben“, hieß es.

„Wir sind nicht glücklich“

Nicht nur die Preise sind neu: Zum ersten Mal in dieser Region wurden Erhöhungen nach einem neuartigen Schema errechnet, das von nun an die Regel werden soll. Erstmals wird ein sogenannter Index zugrunde gelegt – eine Maßzahl, die den allgemeinen Preisanstieg in den vergangenen drei Jahren beschreibt. In die Rechnung geht die Entwicklung der Lebenshaltungskosten zu 83 Prozent ein, die Trends bei den Diesel- und Strompreisen sind die anderen Faktoren. „Künftig soll jede Anpassung nach einem solchen Index berechnet werden“, sagte ein Planer. „Das macht Preiserhöhungen nachvollziehbar.“ Wenn die allgemeinen Kosten und die Energiepreise steigen, ließen sich Verteuerungen leichter vermitteln: So die Begründung für das seit 2012 diskutierte Rechenmodell, das auch vom Senat unterstützt wird.

Wie sich jetzt zeigt, kann es aber auch dazu führen, dass eine Fahrpreiserhöhung geringer ausfällt als von manchen Verkehrsunternehmen erwartet. Da die Lebenshaltungskosten in Deutschland nur mäßig gestiegen sind, gibt es dieses Mal lediglich 2,3 Prozent dazu. Dennoch gab es Kritik vom Berliner Fahrgastverband IGEB. Weil Energiekosten stark ins Gewicht fielen, liege auch die kommende Tariferhöhung über der Inflationsrate, sagte Verbands-Vize Jens Wieseke. „Wir sind nicht glücklich damit."

Kein Thema für den Wahlkampf

Die BVG hatte einen höheren Aufschlag gefordert – zuletzt 3,4 Prozent. So sollte ein Ticket für Berlin 2,80 Euro kosten. Auch zuvor hatte sich das Landesunternehmen öfters mit eigenen Ideen zu Wort gemeldet. So pochte es darauf, dass die Preise schon im August dieses Jahres steigen, ein Jahr nach der vorangegangenen Tarifanhebung.

Doch wie berichtet setzten Brandenburger Politiker durch, dass die Tarife erst nach der Landtags- und Kommunalwahl erhöht werden. Das unangenehme Thema sollte nicht den Wahlkampf belasten und die Chancen der rot-roten Koalition schmälern. Die BVG war darüber so verstimmt, dass sie erwog, einen Alleingang vorzuschlagen: eine Tarifanhebung nur in Berlin. Das war mit dem Verkehrsverbund aber nicht zu machen.