Tiergarten: Berliner Profiboxer nach 1,5-Millionen-Goldraub verhaftet

Berlin - Drei Monate nach einem spektakulären Millionenraub in einem Goldgeschäft in Tiergarten hat die Polizei zwei Verdächtige gefasst. Nach Informationen der Berliner Zeitung sitzen ein Profiboxer und ein Fitnesstrainer  in Untersuchungshaft. 

In dem Laden an der Budapester Straße hatten Räuber im Herbst telefonisch eine große Menge  250-Gramm-Barren bestellt. Sie  konnten  davon ausgehen, dass der Goldbestand am 22.  Oktober hoch war.

An jenem Tag klingelten zwei Männer an der Tür.  Der Verkäufer, der allein im Laden war und öffnete,  sah einen betagten Mann mit Brille und Schnurrbart. Der Mann stützte sich auf eine Krücke.  Der andere hatte eine Brille und einen braunen Haarschopf. Auch das war nur Tarnung. Die Täter stießen den  60-jährigen Angestellten   ins Ladeninnere, verprügelten und bedrohten ihn mit einer Pistole und einem Maurerhammer. Sie brachten den Verkäufer in den Keller und zwangen ihn mit Schlägen und Tritten, alle elf  Safes zu öffnen.

Mit Kabelbindern fesselten sie den Mann und räumten sämtliche Safes aus. Laut Ermittlungen packten sie 250-Gramm-Goldbarren und Münzen im Wert von rund 1,5 Millionen Euro und 43.000 Euro in bar in einen lilafarbenen Hartschalenkoffer und eine Aktentasche. Das alles dauerte mehr als eine halbe Stunde.  Dann flüchteten sie in einem gemieteten Citroën Berlingo, den ein dritter  Täter fuhr. 

Die Beute ist weg

Einer der Täter  stellte sich jedoch dumm an: Im Keller  telefonierte er  mit einem 40-jährigen Bekannten, wie bei der Funkzellenauswertung herauskam. Dass die  Räuber nach dem Überfall ihre SIM-Karten und Handys wechselten, half ihnen nicht: Die Fahnder  hatten  eine Spur. Als Sie den angerufenen 40-Jährigen in dessen Wohnung am Hohenzollerndamm aufsuchten, konnte er sich angeblich nicht an ein Telefonat erinnern. 

Sobald die Beamten weg waren, rief er Husam M. an, welcher  sofort  versuchte, Aleksi H. zu warnen. Husam M. soll den Verkäufer bedroht und Aleksi H. den Fluchtwagen gefahren haben. SEK-Beamte  nahmen die beiden   fest.  Die Beamten beschlagnahmten in  deren Wohnungen insgesamt 9 300 Euro. Ein Richter erließ im Dezember gegen  die beiden  Haftbefehl. Der 40-Jährige kam frei, weil der dritte noch unbekannte Räuber viel größer als er beschrieben wurde.  

Der Verkäufer leidet an den traumatischen Erinnerungen

Husam M., der den Behörden angab,  vor 31 Jahren im syrischen Aleppo geboren worden zu sein, soll als Asylbewerber nach Deutschland gekommen sein und ist arbeitsloser Fitnesstrainer. Er war es wohl, der sich für den Überfall als alter Mann verkleidet hatte. Die „Alte-Mann-Maske“ hatte er per Internet in Brasilien bestellt. Mit dieser ließ er sich vorher in einer Wohnung fotografieren. Die Polizei fand das Foto auf dem Handy des Inhaftierten.

Sein mutmaßlicher Komplize, der  23-jährige  Aleksi H., ist Bulgare und Profiboxer im Supermittelgewicht in einem bekannten Boxstall. Wegen seines Talents nennt man ihn in der Szene den „Anästhesisten“.

Die Beute ist  weg. Der Verkäufer leidet an den traumatischen Erinnerungen. Aber er sagt: „Wir haben die Sicherheitsmaßnahmen verbessert. Viele Dinge sind verändert worden.“