Tiergarten-Mord: Polizei suchte intensiv nach vermisster Susanne Fontaine

Sie haben Susanne Fontaine überall gesucht auf dem Weg vom Schleusenkrug zum Hardenbergplatz. Schon kurz nachdem der Ehemann die 60-Jährige vermisst gemeldet hatte. Sie habe die Tochter und den Ehemann kontaktiert, erzählt die damals mit dem Vermisstenfall beauftragte Kriminalbeamtin an diesem Mittwoch im Prozess um den Mord an Susanne Fontaine.

Eine Hundertschaft der Polizei suchte den 500 Meter langen Weg ab, den Susanne F. gegangen sein muss. Krankenhäuser wurden abtelefoniert, das Personal des Lokals Schleusenkrug befragt, Obdachlose, die im Tiergarten kampierten, wurden aufgesucht und Videos aus Überwachungskameras gesichtet. Vermisstensuchhunde liefen den Weg und die anliegenden Gebüsche ab.

Keine Leichensuchhunde im Einsatz

Doch die Polizei fand keine Spur von Susanne Fontaine. Leichensuchhunde seien nicht im Einsatz gewesen, sagt die Zeugin. Man habe zwar nach einer vermissten, aber einer lebenden Frau gesucht.

Susanne Fontaine hatte sich am 5. September 2017 gegen 22.15 Uhr von ihren drei Freundinnen, mit denen sie sich im Schleusenkrug getroffen hatte, verabschiedet. Die Kunsthistorikerin und Kastellanin von Schloss Glienicke wollte zum Bus, der am Hardenbergplatz fuhr.

Sie nahm den Weg durch den Tiergarten. Nur 20 Meter vor ihrem Ziel soll sie der obdachlose Ilyas A. unvermittelt angegriffen, erwürgt und in ein Gebüsch gezerrt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 18-Jährigen Mord aus Habgier und Heimtücke vor. Er soll seinem Opfer das Handy und mindestens zwei Euro geraubt haben.

Mörder übersah offenbar mehrere 20-Euro-Scheine

Die Leiche wurde erst am 8. September von einem Mann gefunden, der seine Notdurft verrichten wollte. Er hatte zehn Meter von dem vielfach abgesuchten Weg entfernt eine Hand aus dem Gebüsch ragen sehen. Die Leiche der Vermissten lag an der Mauer zum Bahndamm.

„Sie wurde dort nur abgelegt“, sagt ein Kriminalist. 20 Meter von der Toten lag deren Handtasche. Mit dem Marmeladenglas, das eine Freundin Susanne Fontaine im Schleusenkrug geschenkt hatte, Opernkarten, einer Handyhülle und Sim-Karte sowie der Geldbörse, in der noch klein zusammengefaltete 20-Euro-Scheine steckten.

Dem Angeklagten waren die Fahnder über das Handy von Susanne Fontaine auf die Spur gekommen. Ilyas A. hatte sich nach Polen zu seiner abgeschobenen tschetschenischen Familie abgesetzt.

Am 9. September wurde das Smartphone in Frankfurt (Oder) geortet, zwei Tage später Ilyas A. in Polen festgenommen. Anhand des Suchverlaufs im Handy konnten die Ermittler sehen, wonach er im Internet gesucht hatte. Nach „Morde in Berlin heute“ und „Tote Frau im Zoo“.

Der Angeklagte schweigt im Prozess. Bei einem Haftprüfungstermin hatte er den Mord jedoch bestritten und gesagt, er habe die Leiche lediglich gefunden und das Handy mitgenommen.