Berlin - Bei diesem frostigen Wetter tut schon der Gedanke gut: Erst ein paar Saunagänge, anschließend könnte man sich einfach nur auf einer Liege entspannen oder vielleicht eine Massage genießen. Stephan Theune beschreibt dieses Gefühl mit „Seele baumeln lassen“. Im hektischen Berlin ist das jedoch nicht an vielen Orten möglich.

Deshalb hat der Unternehmer Stephan Theune mit seinem Bruder Markus jetzt begonnen, auf dem Gelände des früheren Sommerbades im Poststadion eine neue Wellness-Anlage zu errichten. In dieser Art soll sie in der Stadt einmalig sein. Außer einer Sauna-Landschaft wird es Massage- und Ruheräume geben, auch Beauty-Behandlungen sind möglich, ein Fitnessbereich ist geplant sowie ein Restaurant.

Das Konzept für die Therme ist asiatisch inspiriert, dem entspricht schon der Fantasiename „Vabali Spa“, den sich die Brüder ausgedacht haben. Sie betreiben unter anderem das Liquidrom in Kreuzberg sowie in Köln die Claudius Therme und in Bad Oeynhausen die Bali Therme. Nun also das Poststadion in Moabit, weil es in der Hauptstadt ein derartiges Spa- und Wellness-Angebot noch nicht gibt, und die Berliner dafür nach Brandenburg fahren etwa nach Bad Saarow.

Holzstege verbinden die Häuser

Wie Stephan Theune sagt, wurden auf dem Gelände die alten Gebäude des Sommerbades, das die Berliner Bäderbetriebe vor zehn Jahren geschlossen hatten, bereits abgerissen. Nur ein Teil des 50-Meter-Beckens soll weiter genutzt werden, darin wird der neue Pool eingebaut, der einmal der zentrale Ort der Wellness-Anlage sein soll.

Der Pool ist von Holzstegen eingefasst, die Häuser ringsherum sehen aus wie Pagoden, überall gibt es kleine Nischen, in denen die Liegen zum Entspannen aufgestellt werden. Ein mehrstündiger Besuch soll etwa 20 Euro kosten. Kein Schnäppchen für die Moabiter, die eher wenig Geld in der Tasche haben. Zielgruppe seien vielmehr alle Berliner, insbesondere die, die einmal in der Europacity am Hauptbahnhof wohnen werden.

Das etwa 19 000 Quadratmeter große Areal haben die Brüder bereits im Frühjahr 2009 vom Land Berlin gekauft. Die Anlage sollte schon im vergangenen Jahr eröffnen, doch die Planung verzögerte sich. Nun hofft Stephan Theune, dass er die Baugenehmigung Anfang kommenden Jahres erhält. Etwa 20 Millionen Euro sollen dann investiert werden, im Frühjahr 2014 soll die Eröffnung sein.

Wie Mittes Sportstadtrat Ulrich Davids (SPD) sagt, bereichert die Wellness-Anlage das Gelände des Poststadions. „Sie passt sehr gut zu unserem Konzept.“ Denn nebenan ist vorgesehen, dass am Stadtbad Tiergarten ein 25 Meter langes und 12,5 Meter breites Außenbecken neu gebaut wird. Es soll für die Moabiter Ersatz sein für das Sommerbad.

Endgültig ist über den Neubau zwar nicht entschieden, aber auch der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe befürwortet inzwischen das neue Außenbecken. Allerdings darf das Unternehmen nach einem Beschluss des Abgeordnetenhauses keinen Quadratmeter Wasser im Außenbereich mehr bauen, weil alle Sommerbäder ein Minus-Geschäft sind. Nach einem internen Gutachten der Bäderbetriebe liegt für das neue Becken jedoch eine positive Wirtschaftlichkeitsberechnung vor.

Denn es gibt dafür ein besonderes Konzept: Die Technik wird gemeinsam mit dem Stadtbad betrieben. Zudem stellt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für das Edelstahlbecken 1,6 Millionen Euro zur Verfügung, finanziert aus dem Programm Stadtumbau West. „Als Bezirk sichern wir eine Risikoabschirmung von 20 000 Euro pro Jahr zu“, sagt Davids. Für den Fall, dass es einen schlechten Sommer und damit geringere Einnahmen gibt. Es habe ihn sehr verwundert, dass der Aufsichtsrat den Neubau noch nicht beschlossen hat, so Davids. Die Bäderbetriebe fordern jetzt eine zusätzliche Sicherheit auch durch eine Erklärung der Finanzverwaltung.

Wie Matthias Oloew, Sprecher der Bäderbetriebe, betont, soll das neue Becken auch eine Beleuchtung erhalten. „Es ist damit das einzige in Berlin, in dem man nach 20 Uhr draußen schwimmen kann.“