Tiergarten: Quartier für Besserverdienende

Berlin - Lange Zeit wurde das Gebiet rings um die Flottwell- und Lützowstraße in Tiergarten-Süd in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Dabei liegt es nur ein paar Gehminuten vom Potsdamer Platz entfernt, das Kulturforum ist praktisch um die Ecke, die U-Bahn hält am Gleisdreieck und am Mendelssohn-Bartholdy-Park. „Dieser Standort, diese Lage mitten in der Stadt, wurde lange unterschätzt“, sagt der Berliner Bauunternehmer Klaus Groth.

Am Freitag hat er sein neuestes Bauvorhaben vorgestellt, das den Namen „Flottwell Living“ trägt. Ab April 2013 will er an der Flottwellstraße elf Häuser mit insgesamt 270 Wohnungen bauen, die zwischen 50 und 127 Quadratmeter groß sein werden.

Gehobener Standard, kein Luxus

Die Häuser werden neben dem neu gestalteten Park am Gleisdreieck stehen, genau genommen also schon in Kreuzberg. Die künftigen Bewohner können auf die Rasenflächen des Parks sehen und auf die Viadukte der U-Bahn, unter denen sich die Parklandschaft bis weiter zur Yorckstraße ausweitet. Den Park auf dem einstigen Bahngelände sieht Groth als Vorzug seines Projekts. Er bleibt seinem gewohnten Konzept treu, das er oft – etwa am Spittelmarkt und mit dem Hofjäger-Palais an der Köbisstraße – umgesetzt hat: Der Standard der Wohnungen an der Flottwellstraße soll gehoben sein, so Groth, mit Fußbodenheizung, Parkett, Balkonen und Loggien sowie hochwertigen Materialien.

Obwohl keine ausgesprochenen Luxuswohnungen entstehen, werden die Wohnungen für Durchschnittsverdiener kaum erschwinglich sein. Die 148 Eigentumswohnungen kosten 3200 bis 5500 Euro pro Quadratmeter. Die Kaltmiete in den 122 Mietwohnungen liegt bei zwölf Euro pro Quadratmeter, in den Dachgeschossen sogar bei 15 Euro, also mindestens doppelt so hoch wie der Berliner Durchschnitt.

Mehrere Investoren bauen noch an der Flottwellstraße

Trotz dieser Preise sieht Ulrich Pfeiffer, Aufsichtsratsvorsitzender des Wirtschaftsberatungsunternehmens Empirica AG, in Groths Projekt eine Antwort auf die Wohnungsdiskussion in der Stadt. „Das Gerede von sozialem Wohnungsbau ist glatter Unfug. Auch Luxuswohnungen haben einen sozialen Effekt.“ Seiner Ansicht nach entlasten sie den Wohnungsmarkt und nehmen den Druck von preiswerteren Wohnungen in der Innenstadt.

Dass Groth mit einem Nachbarinvestor eine Kita mit 32 Plätzen errichtet, sei dagegen „unsozial, weil es den Wohnungsneubau verteuert, und die Preise steigen lässt“, so Pfeiffer. Groth selbst, der mit der Reggeborgh Gruppe 85 Millionen Euro investiert, sieht nicht zuerst die Berliner als Zielgruppe für seine Wohnungen an: „Lasst doch alle in die Stadt kommen, die die wirtschaftliche Kraft dazu haben.“

Groth ist nicht der einzige Investor an der Flottwellstraße. Mehrere Baugruppen errichten dort auf ehemaligen Gewerbeflächen und Parkplätzen Wohngebäude. Insgesamt 1 000 Wohnungen werden in den nächsten Jahren in dem Gebiet entstehen. Ein Haus mit Eigentumswohnungen wurde an der Ecke Lützowstraße vom Unternehmer Cihan Arin gebaut. Er hat wie Groth vom österreichischen Immobilienunternehmen CA Immo eine Fläche am Gleisdreieck-Park gekauft. Arin will ab 2014 am U-Bahn-Viadukt ein 2-Sterne-Hotel mit 120 Zimmern sowie 150 Eigentumswohnungen errichten. Ein weiterer Investor plant am Landwehrkanal ein 4-Sterne- Hotel. „Hier entsteht ein völlig neues Wohnquartier“, sagt Arin.