Fundtier Lulu hat im Tierheim eine persönliche Hundebetreuerin.
Foto: Volkmar Otto

Berlin-HohenschönhausenDas Berliner Tierheim zieht nach den Weihnachtsfeiertagen eine traurige Bilanz: Auch in diesem Jahr wurden zwischen dem 22. und 27. Dezember wieder viele Fundtiere in der Tiersammelstelle abgegeben. Es waren 13 Katzen, elf Hunde, neun Kaninchen, drei Vögel und drei Exoten – insgesamt 39 Tiere. 

Aus Erfahrung wisse man, dass über Weihnachten vermehrt Haustiere ausgesetzt und in der Stadt gefunden werden, sagte eine Tierheimsprecherin. Es treffe Tiere, die unwillkommene Weihnachtsgeschenke oder hinderlich für eine Reise gewesen seien.

Als Weihnachtsgeschenk gekauft, dann unerwünscht

Der erst sechs Wochen alte Shih-Tzu-Welpe Lulu beispielsweise wurde in Marzahn gefunden. Er ist noch so klein, dass Tierheim-Betreuerin Katrin Mosch es auf einer Handfläche tragen kann. „Lulu ist zum Glück gesund, braucht in ihrem Alter aber eine ganztägige Pflege“, sagt Mosch. Sie nehme den Welpen deshalb nach der Arbeitszeit mit nach Hause – zu ihrem Hund und ihrer Katze.

„Ob Lulu ausgesetzt wurde, lässt sich nur vermuten“, sagt Tierheim-Sprecherin Beate Kaminski. Es komme vor, dass ein Hundewelpe zunächst als Weihnachtsgeschenk gekauft wird, sich dann aber noch vor der Bescherung herausstellt, dass der Empfänger kein Haustier will. Lulu wurde zwei Tage vor Heiligabend gefunden.

Angeleint und mit Impfpass – Selin wurde ausgesetzt

Eindeutiger ist der Fall des Boxer-Mischlings Selin. Die Hündin saß am zweiten Weihnachtsfeiertag allein im Regen auf dem Gehweg der Boxhagener Straße in Friedrichshain. Sie war angeleint und trug ihren Impfpass am Halsband. Eine junge Frau im Pub gegenüber wurde auf das einsame Tier aufmerksam, beobachtete es eine Stunde, nahm es mit nach Hause und brachte es am Freitag ins Tierheim. „Die Auffindesituation und der Impfpass am Halsband sprechen dafür, dass die Hündin gezielt ausgesetzt wurde“, sagt Kaminski. Gleiches gelte etwa für zwei Kaninchen, die am 25. Dezember am Müllplatz eines Mietshauses in Lichtenberg entdeckt wurden.

Ein kleiner Kriminalfall für die Tierheim-Mitarbeiter ist Schnauzer-Mischling Neo. Der etwa sechs bis acht Jahre alte Hund wurde am ersten Weihnachtstag in Friedrichsfelde gefunden. Er ist ordnungsgemäß registriert und gechipt, aber sein Halter meldet sich nicht und ist auch nicht zu erreichen. „Wir hoffen, dass dem Besitzer nichts Schlimmes passiert ist und dass Neo bald wieder nach Hause darf“, so Kaminski.

Das Tierheim rechnet zu Silvester mit weiteren Zugängen: Viele Hunde laufen aus Angst vor explodierenden Böllern beim Spazierengehen fort.