Berlin -  Wenn es Nacht im Tierheim Berlin-Falkenberg wird, übernimmt Kater Derrick die Leitung. Während seine Artgenossen in ihren Glaszimmern hocken, streunt der ohrenlose Kater durch die Gänge des Katzenhauses und „darf den Wachmann spielen“, sagt die Sprecherin des Tierheims, Beate Kaminski.

Derrick hat ein besonderes Schicksal. Vor zweieinhalb Jahren entdeckten Ärzte blumenkohlartige Wucherungen in seinen Ohren. Wegen der Schmerzen und der Gefahr, dass auch Augen und Nase zuwuchern, mussten sie seine Gehörgänge entfernen und die Ohren amputieren. Derrick ist nun fast taub und reagiert nur auf Erschütterungen.

Kein Problem mit Hunden

Wegen seiner starken Behinderung genießt Derrick deshalb bei den Tierheim-Mitarbeitern einige Vorteile. Jeden Morgen darf er als einziger Kater mit in das Büro seiner Pflegerin Franka Müller, in dem sich sonst nur Hunde aufhalten. „Mit Hunden hat er gar kein Problem“, sagt Müller.

Mit anderen Katzen verträgt sich Derrick hingegen nicht. Die fehlenden Ohren sind das Problem. Die Stellung der Ohren spielt in der Katzenkommunikation eine Rolle. Die anderen Katzen seien verunsichert, „weil sie ihn manchmal nicht verstehen“, erklärt Müller. Deshalb lebt Derrick auch allein.

Derrick ist schreckhaft

Sein Aussehen schrecke Interessenten nicht ab, so die Pflegerin. Aber seit der Amputation sei Derrick schreckhaft, verstecke sich vor Besuchern. Zudem sollten die neuen Besitzer keine Kinder oder andere Katzen haben, dafür bräuchten sie aber eine große Wohnung mit gesichertem Balkon und viel Zeit.

Müller hofft trotz der Eigenarten auf ein neues Zuhause für Derrick. Denn der zehn Jahre alte Kater ist mit kurzer Unterbrechung schon fast zwei Jahre im Tierheim, im Durchschnitt bleibt eine Katze drei Monate. (dpa)