Berlin - Im Tierpark bereitet man sich wieder auf bärigen Nachwuchs vor. Denn Eisbärin Tonja (8) ist offenbar erneut guter Hoffnung. Seit Tagen hat sich sie sich in die Wurfhöhle verkrochen – und diese auch nicht für einen winzigen Moment  verlassen. „So wie es aussieht, bereitet sich Tonja auf eine Geburt vor“, sagte Tierpark-Kurator Dr. Florian Sicks.

Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Eisbärin wieder trächtig ist. „Im März hat sich Tonja mehrmals mit Eisbär-Mann Wolodja gepaart“, sagt Sicks. Dass ihre Liebe erfolgreich gewesen sein könnte, zeigt auch, dass sich die Eisbärin in den vergangenen Monaten viel Fett angefressen hat.

Ultraschall-Untersuchung kommt nicht in Frage

„Mitte März wog Tonja noch 230 Kilo, im September waren es bereits 390 Kilo“, sagt Sicks. So eine stattliche Gewichtszunahme brauchen trächtige Eisbärinnen, ob im Tierpark oder in der Wildnis, wenn sie sich im Herbst in Wurfhöhlen zurückziehen, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen. Denn in dieser Zeit nehmen die Muttertiere keine Nahrung mehr zu sich. 

Dies ist nun auch bei Tonja der Fall. „Nachdem die Eisbärin schon im Oktober freiwillig einige Male für kurze Zeit die Wurfhöhle aufsuchte, ist sie seit dem vergangenen Freitag ständig dort“, sagt Sicks. „Sie schläft täglich 20 statt bisher zehn bis zwölf Stunden. Und wenn Tonja wach ist, wälzt sie sich im Streu in ihrer Box, trinkt nur Wasser, nimmt keine Nahrung mehr zu sich“. Um absolute Gewissheit zu haben, ob Tonja trächtig ist, könnte man sie auch per Ultraschall untersuchen. Doch das lehnt der Tierpark ab. Denn für die Untersuchung müsste Tonja in Vollnarkose versetzt werden, die nicht ganz unproblematisch für die Eisbärin wäre.

Tonjas Verhalten und der Zeitpunkt ihres Einzuges in die Wurfhöhle sprechen dafür, dass sie sich nun in Ruhe auf eine Geburt vorbereitet, so Sicks. „Schließlich bekommen Eisbärinnen immer im November und im Dezember ihre Jungen“, sagt er. „Bei Tonja könnte es damit nun jederzeit so weit sein.“ Darum darf auch kein Pfleger mehr zu ihr, um das Tier nicht zu stören. Den Eisbären-Mann Wolodja (6), der auf der Anlage für Unruhe sorgen könnte, hatte der Tierpark bereits nach der Paarung vorsorglich in den Zoo bringen lassen. Das war im Mai.

Tonjas Wurfhöhle wurde dieses Jahr erneuert

„Wir freuen uns sehr, dass wir erneut Eisbärennachwuchs erwarten dürfen“, sagt Sicks. Allerdings ist diese Freude leicht verhalten. Der Tierpark hatte bisher kein Glück mit der Aufzucht von Eisbären-Babys. Nach der Freude über die Geburt der Kleinen herrschte bald Trauer. So war es bei Fritz, der am 3. November 2016 geboren wurde. Er war der erste Nachwuchs von Tonja und Wolodja.

Fritz wurde nur vier Monate alt, starb im März 2017 an einer Leberentzündung. Die Ursache dafür ist bis heute unklar.

Um mögliche Gefahren auszuräumen, die aus Tonjas Wurfhöhle hätten stammen können, wurde diese im vergangenen Jahr erneuert. Im Dezember 2017 kam dort ein Eisbären-Mädchen zur Welt. Das Tier, das nie einen Namen erhielt, starb nach 26 Tagen am 2. Januar 2018. Infolge einer Lungenentzündung konnte es nicht mehr trinken und verdurstete. 

Sicks weiß, dass die Eisbärenaufzucht sehr schwierig ist. Die Sterblichkeit bei Jungtieren liegt bei etwa 50 Prozent. „Darum hoffen wir, dass es nun dieses Mal klappt, dass Tonjas Nachwuchs gesund zur Welt kommt und auch gesund durchkommt.“