Im Tierpark wird groß gefeiert. Am Montag steigt von 11 bis 16 Uhr im Dickhäuterhaus des Tierparks eine große Geburtstagsparty. Edgar, das Geburtstagskind, ist am 1. Januar genau ein Jahr alt geworden – und von Geburt Elefant, genau gesagt: ein asiatischer Elefant (das sind die mit den kleineren Ohren im Vergleich zu den afrikanischen Artgenossen).

Der kleine Elefantenbulle Edgar war im vergangenen Jahr eine echte Neujahrsüberraschung. Reviertierpfleger Mario Hammerschmidt hatte ihn früh morgens bei seinem Routinerundgang erst gar nicht bemerkt, weil er durch seiner Mutter verdeckt wurde. Aber so gegen 8 Uhr war klar: Nach rund 22 Monaten Tragezeit hatte Elefantendame Kewa (32) in der Nacht entbunden, ohne dass menschliche Hilfe nötig gewesen wäre. Kewas ältere Töchter Thuza und Pantha hatten ihrer Mutter offenbar – wie in der Natur üblich – assistiert, so dass alles gut gegangen ist. Außerdem war Edgar für Kewa bereits das sechste Junge. Sie ist eine erfahrene Mutter, die weiß, was zu tun ist.

Das Elefantenbaby war bei der Geburt 100 Zentimeter groß und wog rund 100 Kilo. Wie viel es heute wiegt, kann Mario Hammerschmidt nicht sagen: „Wir haben hier im Dickhäuterhaus leider keine so große Waage.“ Aber die Höhe kennt er. Sie beträgt jetzt 134 Zentimeter – damit ist Edgar für Elefantenverhältnisse immer noch klein und süß. Er saugt ja auch noch Milch bei der Mutter, bekommt zusätzlich aber natürlich schon feste Nahrung. „Bananen und Brot sind seine Lieblingsspeisen“, sagt der Reviertierpfleger, „wie eigentlich bei allen Elefanten“. Äpfel und Möhren mögen sie auch sehr gern, aber dieses energieärmere Futter erhalten sie in Hülle und Fülle, damit sie möglichst lange am Tag mit Fressen beschäftigt sind und keine Langeweile aufkommt. Die nahrhafteren Sachen – Bananen und Brot – sind eher selten auf dem Speiseplan. Wie Schokolade bei Menschenkindern.

Die Geburtstagstorte, die Edgar bekommen soll, besteht aus Reiskuchen. „Mal sehen, wie er reagiert“, sagt Mario Hammerschmidt. „Je nach Wetter werden wir die Torte drinnen im Haus oder draußen auf der Freianlage servieren.“

Verspielter Dickhäuter

Womit vertreibt sich so ein Elefantenkind den Tag? „Am liebsten tollt er mit seinen Schwestern herum“, erzählt Hammerschmidt. Die vierjährige Pantha ist dabei seine Favoritin, weil sie selbst noch sehr verspielt ist und gern bei den Scheinkämpfen mitmacht. Die beiden beim Schieben und Rangeln zu beobachten, ist die reine Freude. Wer Zeit hat, sollte sich das Schauspiel nicht entgehen lassen. Die Tiere sind täglich auf der Anlage zu sehen, so lange die Temperaturen nicht unter –10 Grad sinken. Denn bis auf weiteres wird Edgar das letzte Elefantenbaby sein, das im Tierpark zu sehen ist.

Das Dickhäuterhaus steht vor dem Umbau, um für die gewaltigen Tiere bessere Bedingungen zu schaffen. In die Bauarbeiten hinein Nachwuchs zu setzen, wäre unklug, da Mutter und Kind ja vor allem Ruhe und das vertraute Umfeld brauchen. Der Vater des kleinen Edgar, der Elefantenbulle Ankhor (32), lebt daher nicht mehr im Tierpark, sondern zog schon im August 2014 in den Prager Zoo und hat dort bereits für Nachwuchs gesorgt.

Edgar tritt, wie sein Pfleger erzählt, den anderen Elefanten gegenüber sehr selbstbewusst auf und hat sich schnell in die Gruppe eingefügt. Menschen gegenüber ist er allerdings scheu und schüchtern. Meist rennt er weg, wenn sich Menschen ihm nähern. „Nahrung und Zuneigung erhält er von den anderen Elefanten, von seiner Gruppe, die sich rührend um ihn kümmert“, berichtet Hammerschmidt. Das sei sehr gut und entspreche den modernen Haltungsmethoden, nach denen die Tiere so wenig wie möglich auf den Menschen geprägt werden sollen.

Der „Nachteil“ für manche Tierparkbesucher, die Kunststückchen sehen wollen: Er kann noch nicht so viel. Es gab mal einen Elefanten, der zu seinem 1. Geburtstag mit dem Rüssel die Geburtstagstorte ausgepustet hat. Daran ist bei Edgar nicht zu denken. „Und das wäre auch heute kein erstrebenswertes Ausbildungsziel mehr“, sagt Hammerschmidt.

Lernen soll der kleine Bulle die Dinge, die für die medizinische Betreuung und für seine Sicherheit wichtig sind. Zu diesen Grundkommandos gehört das Hinlegen, damit der Rücken angeschaut werden kann, oder auch das Füßeheben für die Fußpflege. Edgar kann bis jetzt auf Kommando das Ohr abstellen, damit man ihm hinter dem Ohr, dort wo die Haut dünn ist, später irgendwann einmal bei Bedarf Blut abnehmen kann. Er hebt die Vorderfüße und ist gerade dabei zu lernen, dies auch mit den Hinterbeinen zu tun, wenn der Tierpfleger das Signal gibt. Ansonsten versuchen die Betreuer sein Vertrauen so weit zu gewinnen, dass sie hinter ihm vorbeigehen können, ohne dass er sich umdreht und nach ihnen schaut. Noch fällt ihm das Stillstehen schwer, wenn Menschen in der Nähe sind. „Aber auch das wird er lernen. Er hat ja alle Zeit der Welt“, sagt Hammerstein.

Kinder sind herzlich eingeladen

Den Namen Edgar erhielt der kleine Bulle übrigens von seinen Paten – den Hörern des Kinderradios Teddy. Radio Teddy wird am heutigen Montag live aus dem Dickhäuterhaus senden und mit den Besuchern zusammen den Geburtstag des Patenkinds feiern.

Einige Programmpunkte: Bis gegen 11 Uhr kann man zuschauen, wie die Elefanten geduscht werden. Um 12 Uhr dürfen Kinder Elefanten mit Bananen füttern (bitte keine Früchte mitbringen; für Bananen sorgt der Tierpark). Um 14 Uhr wird der Moderator gemeinsam mit dem Reviertierpfleger den Stall ausmisten und dabei Fragen der Kinder beantworten. Um 15 Uhr kommt die Geburtstagstorte. Mal sehen, wie der kleine Edgar die findet.