Berlin - 92 Millionen Euro möchte Tierpark-Direktor Andreas Knieriem vom Land für den Erlebnis-Zoo bis 2030 haben. Ob er eine Chance bekommt, seinen Ziel- und Entwicklungsplan (ZEP) umzusetzen, ist aber offen. Die Mehrheit aus SPD und CDU vertagte am Mittwoch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses die Debatte darüber – kurzerhand und gegen die Stimmen der Opposition. Piraten, Grüne und Linke reagierten verärgert. Zumal die Diskussion über Knieriems Masterplan gleich um Monate verschoben wurde: bis Mitte September, auf die erste Lesung des Haushaltsgesetzes.

Torsten Schneider, Haushaltssprecher der SPD-Fraktion, sprach von „sachlichen Gründen“ für die Vertagung. Er führte diese aber nicht näher aus.

Eine Verschiebung bis nach der Sommerpause sei nicht akzeptabel, sagte Manuela Schmidt (Linke). Auch die Piraten und Grünen wären gerne in die Diskussion eingestiegen, nachdem Knieriem seine Pläne bereits vorige Woche der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Die Grundrichtung stimmt, doch noch bleiben viele Fragen

„Die Frage ist doch, ob wir möchten, dass sich der Tierpark so massiv verändert“, sagte Heiko Herberg (Piraten). Einiges an Knieriems Plänen sei begrüßenswert, etwa, dass die Infrastruktur im Tierpark modernisiert und die Gastronomie verbessert werden sollen. Die weitläufige Anlage sei für viele Stammgäste aus der Umgebung aber nicht nur ein Zoo, sondern auch ein Naherholungsgebiet. Es stelle sich die Frage, ob das so bleiben würde. Und ob sich die Stammgäste künftig noch die Eintrittspreise leisten könnten.

„Die Grundrichtung stimmt“, sagte Jochen Esser (Grüne) über Knieriems Pläne. Es sei beispielsweise richtig, dass die Tierhaltung, etwa der Raubkatzen und Elefanten, gleich in der ersten Umgestaltungsphase verbessert werden soll. Doch es gebe auch viele Fragen: Wie realistisch sei beispielsweise die Prognose zu den Besucherzahlen und den damit erwarteten Einnahmen? Was sei mit den Plänen für ein Schwimmbad am oder im Tierpark? Was werde aus der Idee, am Rand des Geländes Wohnungen zu bauen? All dies müssten die Abgeordneten diskutieren, öffentlich und nicht „irgendwo in Hinterzimmern“.

Knieriem selbst reagierte diplomatisch auf die Vertagung. „Wir haben die Terminverschiebung zur Kenntnis genommen und gehen davon aus, dass es dafür gute Gründe gibt“, teilte er mit. Bisher habe er ausnahmslos positive Resonanz auf den Ziel- und Entwicklungsplan bekommen; sowohl aus der Politik als auch von der Bevölkerung. Nun wünsche er sich, dass die Politik verantwortungsvoll damit umgehe. Da es sich um ein umfangreiches Werk handele, habe er Verständnis dafür, „dass es etwas mehr Zeit für Entscheidungen benötigt“.