Berlin - Der Fischhändler in der Markthalle Neun in Kreuzberg ist am Montag und Dienstag geschlossen. Aber an dem blauen Stand hängt ein Zettel: „Bestellen Sie Meeresfrüchte bis Sonntagabend, um sie bis Mittwoch oder Freitag geliefert zu bekommen.“ Laut Vorwürfen der Tierschutzorganisation PETA gehören dazu auch lebendige Hummer und Seeigel, Langusten und Austern. Das bedeute Tierquälerei. 

„PETA fordert das Unternehmen auf, diese tierquälerische Praxis zu beenden“, so die Tierrechtsorganisation, die einen Import- und Verkaufsstopp lebender Tiere fordert. Man stehe bereits seit Februar mit der Geschäftsführung des Fischladens in Kontakt und appelliere, auf ein veganes Sortiment umzustellen, habe bisher aber noch keine Antwort darauf erhalten.

Pikant ist dies, weil die Markthalle Neun damit wirbt, sich für Tierwohl und nachhaltige Ernährung einzusetzen. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung antworten weder die Betreiber der Halle noch die des Fischladens. „In der Markthalle Neun werden nur tierische Produkte aus artgerechter Tierhaltung angeboten“, heißt es im Leitbild auf der Webseite der Markthalle Neun. 

Bei vollem Bewusstsein gekocht

Federführend bei den Protesten bei PETA ist die Meeresbiologin Tanja Breiding. „Statt sensible Meerestiere wie Hummer und Seeigel zu verkaufen, die bei vollem Bewusstsein gekocht und teils lebend gegessen werden, sollen sowohl der Fisch Klub Berlin als auch die Markthalle Neun ihren Beitrag zum Meeresschutz endlich wahrnehmen und vegane Produkte verkaufen“, teilt Breiding mit. Seit 2017 importiere der Fischhändler Meerestiere lebendig auf Eis gelagert eigens aus Frankreich.

Um die Markthalle Neun in der Nähe des Görlitzer Bahnhofs gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Streit wegen Gentrifizierung und Verdrängung, etwa anlässlich der Schließung einer Aldi-Filiale. Dabei wies die Anwohnerinitiative Kiezmarkthalle auch darauf hin, dass auf dem Instagram-Profil des Fischstandes immer wieder Hummer zur Bestellung angeboten würden, nicht nur zu Feiertagen wie Weihnachten.

„Was für eine Scheinheiligkeit, dass die Markthalle Neun für bessere Ernährung wirbt und deshalb auch Aldi rausgedrängt hat, aber jetzt bei Tierquälerei die Augen bei ihren selbst ausgewählten Händlern schließt“, sagt Stefanie Kühne, Sprecherin der Anwohnerinitiative.

Die Betreiber der Markthalle Neun werden für ihren Beitrag zur Ernährungswende teilweise auch mit Mitteln des Senats gefördert. 2011 demonstrierte die Tierschutzorganisation PETA gegen den Verkauf von lebendigen Hummern im KaDeWe, woraufhin das Charlottenburger Luxuskaufhaus die ausgestellten Wasserbecken abbaute.