Berlin - Eine Meldung, ein Schicksal: Bei einer Fahrzeugkontrolle auf der Autobahn 17 nahe Bad Gottleuba im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat die Bundespolizei vor einigen Tagen acht geschmuggelte Hundewelpen sichergestellt. Die Hunde seien vermutlich jünger als drei Monate, und die Fahrer konnten keinerlei Papiere für die Tiere vorweisen, teilte die Bundespolizei mit. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Veterinäramt wurden die Hunde in die Obhut eines Tierheims übergeben. Gegen die Transporteure der Hunde wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet.

In der Corona-Pandemie ist die Hunde-Nachfrage gestiegen. Der beste Freund des Menschen, wie es so schön heißt, soll in Zeiten von Social Distancing offenbar Herz und Seele wärmen – aktuell sehnen sich viele Menschen nach einem ständigen Begleiter, um der Einsamkeit der Isolation zu entgehen. Tierheime und Züchter im ganzen Land berichten seit Wochen von häufigeren Vermittlungen, Kommunen von mehr Tieranmeldungen während der Pandemie. 

„Die Leute hatten viel Zeit, Langeweile“, meint etwa Annette Fischer, Leiterin des Tierheims in Celle. Besonders oft sei im Frühjahr nach kleinen Hunden gefragt worden, vor allem nach Welpen. Oft hätten sich auch gerade Kinder von Familien einen Hund gewünscht. Andere wiederum wollten ihre Homeofficezeit für die Eingewöhnung nutzten. Die Kommunalverwaltung der Stadt Burgdorf bei Hannover zählt seit Jahresbeginn etwa 1700 angemeldete Hunde – sonst seien es dort rund 1600.

Lea Schmitz, Pressesprecherin vom Deutschen Tierschutzbund, verweist darauf, dass momentan die Gelegenheit, ein Tier zu adoptieren, günstig sei, weil gerade jetzt die Zeit für eine Eingewöhnung da ist. Einige Tierheime bekämen aber auch skurrile Anfragen von Menschen, die gern ein Tier während der Corona-Zeit aufnehmen und danach ins Tierheim zurückbringen wollen: „Aus Tierschutzsicht sind solche Angebote – wenn vielleicht auch gut gemeint – natürlich nicht sinnvoll.“

Der Bedarf ist groß. Vor diesem Hintergrund warnt Schmitz eindringlich vor dem illegalen Handel mit Hundewelpen im Internet – er habe schlimme Folgen für die Tiere. Sie rät grundsätzlich davon ab, Tiere über Online-Anzeigen zu kaufen. „Wer sich für ein Tier interessiert, sollte sich zuerst im Tierheim erkundigen. Oder alternativ nach seriösen Züchtern recherchieren, die aus Leidenschaft eine Rasse züchten und mit denen schon andere Hundehalter gute Erfahrungen gemacht haben.“

Der illegale Handel mit Hundewelpen ist mit enormen Tierleid für die Hundekinder und Elterntiere verbunden. Gerade als Weihnachtsgeschenke seien die kleinen Vierbeiner jedes Jahr aufs Neue gefragt. Fatal am illegalen Online-Handel mit Hundewelpen ist auch, dass er kaum von seriösen Angeboten zu unterscheiden seien. „Dass Angebote in gebrochenem Deutsch formuliert waren und Welpen zu günstigen Schnäppchenpreisen für wenige hundert Euro angeboten wurden, war lange Zeit ein Indiz, kommt heute aber eher selten vor“, erklärt Schmitz.

Ein weiteres Indiz sei gewesen, wenn Welpen ohne Mutter präsentiert wurden oder nicht beim vermeintlichen Züchter zu Hause, sondern auf einem Parkplatz übergeben wurden. „Mittlerweile aber versuchen die Händler alles, um einen seriösen Eindruck zu machen.“ Zudem könnten Käufer die Identität der Händler im Internet kaum überprüfen, das gelte auch für die bisherige Geschichte des Tieres.

Die Probleme, die mit unseriösen Angeboten verbunden sind, spüren Käufer laut Tierschutzbund erst, wenn das Geschäft schon längst abgeschlossen ist. Häufig erkranke das Tier wenige Tage nach dem Kauf, typischerweise stelle dann die Tierarztpraxis fest, dass der EU-Heimtierausweis und die eingetragene Impfung gefälscht sind. „Die vermeintlich ‚günstige‘ Anschaffung eines illegal gehandelten Welpen zieht dann Behandlungskosten für ein krankes Tier nach sich, die zu einer enormen finanziellen Belastung werden können“, so Schmitz.

Für die Händler sei der Welpenhandel im Internet ein großes Geschäft. Die Tiere kämen häufig aus dem osteuropäischen Ausland, wo die Elterntiere „unter erbärmlichsten Bedingungen, meist in Verschlägen, ohne Kontakt zu Menschen und ohne medizinische Versorgung“ gehalten würden. Die Welpen würden meist schon mit wenigen Wochen von der Mutter getrennt und nach Deutschland gebracht. Häufig seien Zwischenhändler im Spiel, die die Tiere ins Land brächten und schnell und anonym über das Internet anböten, so Schmitz. „Dies hat den Vorteil, dass die Hintermänner meist unerkannt bleiben.“

Die Bundespolizei, die unter anderem für die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität zuständig ist, stellte nach eigenen Angaben zwischen Januar und Oktober 2020 insgesamt 24 Gesetzesverstöße in Zusammenhang mit der illegalen Einfuhr oder dem illegalen Handel mit Tieren fest. Bei den registrierten Verstößen könne es sich jedoch um alle möglichen Arten von Tieren handeln, hieß es auf Nachfrage.

Für den gewerbsmäßigen Handel mit Tieren verlangt das Gesetz eine Erlaubnis des zuständigen Veterinäramtes. Der Online-Handel mit Welpen ist zunächst einmal nicht verboten, er unterliegt laut Tierschutzbund auch keinen strengen Vorschriften. „Und leider kann auch online nicht kontrolliert werden, wie viele Welpen ein Händler pro Jahr einstellt, da der Händler auch ständig das Profil wechseln kann“, sagt Schmitz.

Sie rät: Wer sich die kontaktarme Corona-Zeit mit einem vierbeinigen Zeitgenossen vertreiben will, sollte sich eine Anschaffung vorher gut überlegen. Die Bedürfnisse der Tiere seien geld-, zeit- und arbeitsintensiv und würden oft unterschätzt. Und ein Punkt, den nicht alle auf dem Zettel haben dürften, ist die Frage, wie es nach dem Ende der Homeoffice-Zeit mit den Tieren weitergeht. Die Tiere sollten nicht viele Stunden allein zu Hause gelassen werden, sondern langsam ans Alleinsein gewöhnt werden, sagt Schmitz.

Wenn die Kaufentscheidung feststehe und schließlich alles durchdacht sei, könne man sich von Tierheim-Mitarbeitern beraten lassen, welches Tier am besten in das neue Zuhause passe. (schl./dpa)