Berlin - Christian Hanke (SPD), der Bürgermeister des Hauptstadtbezirks Mitte, hat am Freitag ein Tabu gebrochen. Er kann sich vorstellen, dass der Bezirk den Bärenzwinger im Köllnischen Park mit den beiden Wappentieren, den Stadtbärinnen Maxi und Schnute, nicht mehr weiter betreibt. „Die Stadtbären könnten wir nach Mecklenburg-Vorpommern in einen Bärenpark geben“, sagt er. Auch der Wildpark Johannismühle, der etwa 80 Kilometer von Berlin entfernt liegt, hat bereits angeboten, den Bären Asyl zu gewähren. „Die Tierschützer wird’s freuen, die Bärenfreunde nicht“, sagt Hanke. Entschieden sei die Umsiedlung der Bären noch nicht, werde aber wegen der finanziellen Notlage des Bezirks jetzt diskutiert.

Immer wieder hatten Tierschützer in den vergangenen Jahren verlangt, dass der Bärenzwinger geschlossen wird, weil die Anlage ihrer Ansicht nach viel zu klein ist. Erst vor einer Woche hatte der Bund gegen Missbrauch der Tiere an dem Gehege protestiert und „Freiheit für Maxi und Schnute“ gefordert. Die Braunbären leben seit 1981 beziehungsweise 1986 in dem Zwinger und werden von zwei Tierpflegerinnen des Bezirks betreut. Eine hört zum Jahresende auf, so dass der Bezirk dringend eine neue Pflegerin sucht. Beide Stellen möchte der Bürgermeister aber gern einsparen.

„Wir sind jetzt an einem Scheideweg“, sagt Harald Büttner, der Chef des Grünflächenamtes in Mitte, der auch für den Bärenzwinger verantwortlich ist. Er betont: „Die Bären sind in einem guten Gesundheitszustand und weisen kein atypisches Verhalten auf.“ Das sei dem Engagement der Pflegerinnen zu verdanken. „Die Pflege ist auf einem Toplevel“, so Büttner. Ähnlich hatte der Bezirk in den vergangenen Jahren stets auf Kritik auch von Berlins Tierschutzbeauftragten reagiert und betont, dass den Tieren insgesamt 480 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Das sei mehr, als gesetzlich vorgeschrieben ist.

Der Bärenzwinger in der Nähe des Märkischen Museums ist eine Institution. Er wurde am 17. August 1939 eröffnet. Zwei Jahre zuvor hatten die Berliner in einem Zeitungsartikel ihren Wunsch nach einem „richtigen lebendigen, brummenden, tanzenden, schönen Petz“ als Wappentier geäußert. Zu den ersten Bewohnern gehörten die Bären Urs und Vreni aus dem Berner Zoo, dazu kamen zwei Bären aus dem Berliner Zoo – Jule und Lotte. Drei Tiere wurden bei einem Bombenangriff 1944 getötet. Unmittelbar nach dem Krieg wurde der Zwinger geschlossen und der Graben mit Sand zugeschüttet. Erst 1949 wurde die Anlage mit Nante und Jette wiedereröffnet.

Planung des Bezirks war es bislang, die Bären Maxi und Schnute bis zu ihrem Tod im Zwinger zu lassen. Bären werden in Gefangenschaft bis zu 40 Jahre alt. Der Bezirk weiß, dass die Anlage nicht ideal ist, Veränderungen seien aber wegen des Denkmalschutzes nicht möglich. Verbesserungen für die Bären hat es seit 1992 schon mehrere gegeben. Damals wurde das Gebäude saniert und eine Fußbodenheizung eingebaut. Später wurden die beiden Freiflächen aus Beton aufgebrochen und größere Spielflächen mit Rindenmulch angelegt. Büttner weist auch auf das große Risiko von erforderlichen Narkosen sowie eines Transports hin. Er sagt: „Die Bären sind schon sehr alt.“