Falscher Wolf in Berlin-Spandau gesichtet: Wie man zwischen Wolf und Hund unterscheidet

Ein falscher Wolf streift durch Berlin. Erst Panik, dann Entwarnung. Begegnungen werden vor allem in Brandenburg häufiger. Es gibt immer mehr Wölfe. An diesen drei Merkmalen erkennen Sie einen Wolf.

Der Wolf, ein schreckliches Wesen? Die Angst ist übertrieben.
Der Wolf, ein schreckliches Wesen? Die Angst ist übertrieben.imago

Wenn man mal einen echten Wolf in der Natur gesehen hat, wird man den Anblick garantiert nicht mehr vergessen. Im Oktober 2021, als erstmals ein Wolfsrudel auf Berliner Stadtgebiet (in der Döberitzer Heide) gesichtet wurde, habe ich einen Text geschrieben, in dem ich mich gefragt habe: Wie viel Wolf kann Berlin vertragen? Seitdem sind nicht nur mehr als ein Jahr vergangen, ich habe auch schon wieder drei Wölfe in freier Wildbahn gesehen. 

Alles wird gefressen, bis auf Fell und Mageninhalt: ein Wolfsrudel beim Fressen eines gerissenen Wildschweins.
Alles wird gefressen, bis auf Fell und Mageninhalt: ein Wolfsrudel beim Fressen eines gerissenen Wildschweins.imago

Alle in Sachsen-Anhalt. Ein riesiger fast weißer Rüde ist im November 2021 bei einer Drückjagd auf Hirsche und Wildschweine in Vollenschier in der Altmark drei Meter an mir vorbeigetrabt. Die anderen beiden habe ich ein Jahr später im Herbst 2022 in Erxleben eine Autostunde südlich in der Magdeburger Börde gesehen. Erst galoppierten – wieder auf einer Treibjagd – drei Stück Damwild an mir vorbei und dahinter gleich zwei jüngere Wölfe.

Sie jagten offensichtlich dem Damwild hinterher. Und das obwohl der ganze Wald voller Jäger und vor allem Jagdhunde war. Und 30 Sekunden nach den beiden Wölfen lief dann noch ein Damhirsch in genau derselben Spur vorbei, den mein Nachbarjäger dann erlegt hat. Auf der Jagd wurden insgesamt sechs Wölfe gesichtet. So viel zum Jäger-Mythos: Wo der Wolf ist, sieht man kein Wild mehr.

Nun sind meine Augen da inzwischen als Jäger natürlich geschult. Klar, es ist einfach im Wald einen Beagle, der jaulend eine frische Wildschweinspur verfolgt, von einem anderen Jagdhund, der vielleicht ein Reh hetzt, zu unterscheiden. Aber selbst wenn Sie wie jetzt am Wochenende auf dem Parkplatz des Druckhauses in Spandau einen Husky oder einen anderen Schäfer- oder Schlittenhund vor sich haben, werden Sie normalerweise schnell merken, wenn es sich um einen echten Wolf handelt.

Kurze Schnauze, fluffiges Fell und blaue Eis-Augen: Einen Husky sollte man leicht von einem Wolf unterscheiden können.
Kurze Schnauze, fluffiges Fell und blaue Eis-Augen: Einen Husky sollte man leicht von einem Wolf unterscheiden können.imago

Husky, Schlitten- oder Schäferhund? Nein, Wolf

Nicht nur, weil die meisten Menschen, mit denen ich gesprochen habe, unterbewusst sofort gespürt haben, wenn es sich um ein wildes Tier statt um ein domestizierten Hund handelte. Da gibt es schon so eine Ur-Angst, die über Grimms Märchen weit hinausgeht. Daher habe ich mich auch etwas gewundert, dass so viele Menschen und auch ein Förster am Wochenende den entlaufenden Hund (den jetzt sein Frauchen selber suchen muss) als Wolf ansprachen.

Im Frühjahr 2021 etwa trabte ein einzelner Wolf durch das Zentrum von Lohne in Niedersachsen. Erst läuft der Wolf an einer unbeeindruckten Oma vorbei, überquert die Straße und biegt dann auf einen Parkplatz zwischen Lidl und einem Hellweg-Baumarkt ein. „Alter, das ist ein Wolf“, sagt der filmende Vater ängstlich, während er seine kleine Tochter Lina an der Hand hält. Und dem Mann aus der Kleinstadt (27.000 Einwohner) war sofort klar, dass es sich bei dem Tier um einen Wolf handelt.

Aber auch wenn man nicht intuitiv den Wolf erkennt, gibt es drei einfache Merkmale, wie sie den Wolf von einem Hund unterscheiden. Und dabei handelt es sich nicht um wissenschaftliche Sachen wie den genauen Augenabstand oder die Anzahl an Zähnen oder andere komplizierte Merkmale. Denn Begegnungen mit dem Wolf sind oft kurz und Sie sehen Isegrim höchstens von weitem Mal. Hier also die Merkmale.

1. Der Körperbau

Gerader Rücken, lange Schnauze, deutlich größer als die meisten Hunde. Und immer ein Ziel im Kopf. Der Wolf.
Gerader Rücken, lange Schnauze, deutlich größer als die meisten Hunde. Und immer ein Ziel im Kopf. Der Wolf.Imago

Auch wenn vor allem der Husky oder ein dunkler Schäferhund farblich und vom Körperbau ähnlich aussehen, so gibt es doch ein paar unvergleichliche Merkmale: Ein Wolf ist größer als die meisten Hunde. Er hat keinen Ringelschwanz und trägt seine Rute immer waagerecht oder diagonal nach unten. Wölfe haben keine Stubsnase, sondern eine lange Schnauze und große Ohren. Der Körper ist lang und hat keine abfallende Kruppe, also keinen Schäferhund-Buckel. Auch sind die Tatzen gefühlt etwas größer als bei Hunden im Vergleich zum restlichen Körper.

2. Bewegungsablauf

Ein langsam ziehender Wolf hat einen federnden, fast schnürenden Gang, der agiler und vor allem ökonomischer, ausdauernder und auch ausladender wirkt als bei den meisten Hunden. Hat man einen Wolf in der freien Natur oder in Tierfilmen oder auf YouTube gesehen, so ist dieser federnde Gang vor allem im Galopp sehr prägnant. Der Gang von ähnlich aussehenden Hunden wirkt einfach immer ein bisschen tollpatschiger und fragiler. Auch hat etwa ein Husky eine kürzeren Schritt.

Keine Angst und meist völlig unbeeindruckt vom Menschen: Der Wolf ist weder scheu noch so anhänglich wie sein domestizierter Cousin, der Hund.
Keine Angst und meist völlig unbeeindruckt vom Menschen: Der Wolf ist weder scheu noch so anhänglich wie sein domestizierter Cousin, der Hund.Imago

3. Verhalten gegenüber dem Menschen

Auch am Verhalten werden Sie den Wolf einfach von einem Hund unterscheiden können. Denn Wölfe in der freien Wildbahn (und vor allem im dörflichen oder urbanen Raum) werden immer ein klares Ziel und eine Mission haben. Sei es, dass sie ein Stück Wild verfolgen (siehe oben), um eine Viehweide streichen oder einfach durchs Gelände ziehen.

Und ein Wolf lässt sich bei seiner Sache auch nicht wirklich beirren lassen. Ähnlich wie bei einem Stadtfuchs wird ein Wolf nicht reagieren, wenn Sie versuchen, ihn abzurufen. Ein Hund, auch ein streunender, ist an Menschen gewöhnt und wird auf ihr Verhalten meist reagieren und Augenkontakt suchen. Ein Wolf beobachtet einen Menschen zwar auch, sollte er ihn aus der Nähe passieren. Aber man hat das Gefühl, dass das Tier durch einen hindurchschaut und keinerlei Angst zeigt.

Allein in Brandenburg gibt es mehr Wölfe als in Finnland

Sie brauchen allerdings auch keine Angst vor dem Wolf zu haben, denn Angriffe auf Menschen sind fast so unwahrscheinlich, wie dass Sie wie Chico aus Dortmund zehn Millionen Euro im Lotto gewinnen. Laut einer Studie des International Fund of Animal Welfare (IFAW) gab es in den vergangenen 20 Jahren in Nordamerika und Europa gerade mal zehn Wolfsangriffe auf Menschen, von denen nur zwei tödlich endeten. 78 Prozent der Angriffe weltweit seien auf die Tollwut zurückzuführen, die in Europa fast ausgerottet ist, sagen die Forscher. Laut Experten gehöre der Mensch zudem nicht zum Nahrungsbild des Raubtiers. 

Aber eines ist sicher, Sie werden als Wanderer und Spaziergänger etwa in der Schorfheide oder sonst wo in Brandenburg in Zukunft immer mehr Wölfe sehen, denn durch ein riesiges Nahrungsangebot (durch die intensive Landwirtschaft finden Rehe, Wildschweine und Hirsche immer mehr Futter) können sich die grauen Jäger einfach vermehren.

Einen Wolf beim Spaziergang in Brandenburg werden Sie vielleicht bald öfter sehen. So wie auch der Anblick von gerissenen Rehen im Wald inzwischen für Jäger und Förster in Norddeutschland Alltag ist.
Einen Wolf beim Spaziergang in Brandenburg werden Sie vielleicht bald öfter sehen. So wie auch der Anblick von gerissenen Rehen im Wald inzwischen für Jäger und Förster in Norddeutschland Alltag ist.imago

Laut Berechnungen von Experten wird es schon 2030 mehr als 25.000 Wölfe in Deutschland geben. Angeblich leben allein in Brandenburg – nirgendwo in Deutschland gibt es mehr Wölfe als hier – mehr Tiere als in Finnland; und in ganz Deutschland mehr Wölfe als in Schweden, Finnland und Frankreich zusammen. Inzwischen ist es bei einem Waldspaziergang in manchen Gegenden von Brandenburg oder Sachsen-Anhalt viel wahrscheinlicher einen Wolf zu sehen als etwa einen scheuen Rothirsch.

Davon zeugen auch die vielen Videos auf YouTube, die es inzwischen gibt. Und damit Sie auch nur die richtigen, die echten Wölfe hochladen, beherzigen Sie unsere Tipps und rufen Sie nicht gleich die Polizei und Feuerwehr, wenn Sie ein großes graues Tier mit zwei verschiedenfarbigen Augen sehen.

Und ob ein paar der vielen inzwischen wieder heimischen Wölfe bald erlegt werden müssen, das ist dann wieder eine ganz andere Frage.

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