Sie ist „simply the best“. Zumindest für ihre Fans ist sie wohl unbestritten noch immer die einfach beste Rock-Sängerin der Welt: Tina Turner, die Ende November ihren 80. Geburtstag feiert und deren Alben wie „Privat Dancer“ zu Mega-Erfolgen wurden. Seit 2009 war sie auf keiner Konzertbühne mehr zu sehen. Doch nun meldet sich der Welt-Star zurück. Nicht etwa mit einem neuen Song oder Album. Die Sängerin taucht nun mit einem bekannten Medien-Anwalt aus Berlin auf, mit dem sie den deutschen Tournee-Veranstalter der Doppelgänger-Show „Simply The Best – Die Tina Turner Story“ verklagt hat. Die Gerichtsverhandlung an diesem Mittwoch könnte Konsequenzen für das Stück haben, das im kommenden Jahr in der Hauptstadt gezeigt werden soll.

Tina Turner will die Reklame verbieten lassen

Der Grund ist schon recht kurios, warum die Künstlerin gegen die bayrische Entertainment-Firma Cofo und deren Chef Oliver Forster vor Gericht zieht. Denn sie stört sich offenbar an dem bundesweiten Tourplakat, das seit Wochen auch in Berlin für Forsters Tina-Turner-Show wirbt, die am 1. und 2. Mai 2020 im Admiralspalast gastiert. Darauf ist die Hauptdarstellerin des Stückes, Dorothea „Coco“ Fletcher, zu sehen. Das Tina-Turner-Double, das in der Vergangenheit schon in der „Stars in Concert“-Veranstaltungsreihe des Neuköllner Hotels Estrel-Berlin als Abbild der Künstlerin große Erfolge feierte und als Backround-Sängerin mit Stars wie Udo Jürgens auftrat, sieht in der Tat Tina Turner verblüffend ähnlich.

Der echte Weltstar, der seit Jahren am Zürichsee in der Schweiz lebt, fühlt sich nun mit dem Plakat und der darauf abgebildeten Doppelgängerin in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Tina Turner will die Reklame quasi verbieten lassen. Ein Unterlassungsbegehren gegenüber der Tourneeveranstalter-Firma Cofo scheiterte im Frühjahr. Nun soll der Berliner Promi-Anwalt Christian Schertz mit einer Klage vor dem Landgericht in der Stadt Köln, wo die Sängerin mit Ehemann Erwin Bach einst wohnte, ihre Rechte durchsetzen. Die Verhandlung soll am Mittwoch um 12.15 Uhr beginnen.

Möglicherweise müssen Teile der Show geändert werden

Dem Anwalt zufolge würde auf dem Werbeplakat für die Show „Die Tina Turner Story“ der Doppelgänger-Einsatz nicht offengelegt. Durch das Bild des Doubles und die Namensnennung „Tina Turner“ bestünde eine Verwechslungsgefahr. „Der Betrachter der Werbemittel wird ... in die Irre geführt, dass eine Show der Klägerin (der echten Tina Turner, die Redaktion) beworben wird“, schreibt Schertz in der Klageschrift, die der Berliner Zeitung vorliegt. Dagegen wolle sich die echte Tina Turner wehren, so der Anwalt.

Ob infolge der Klage nur das Plakat geändert werden muss oder möglicherweise auch in einigen Punkten sogar Bestandteile der Show, müssen die Kölner Richter entscheiden. Bei der Verhandlung wird Tina Turner allerdings nicht dabei sein. Dafür will der angeklagte Tour-Veranstalter mit dem Tina-Turner-Double im Gerichtssaal erscheinen, um dem Richter deutlich zu machen, wer da tatsächlich auf dem umstrittenen Plakat zu sehen ist.

Tina-Turner-Story zeigt musikalisch ihre Geschichte

Forster erklärt, dass er mit der Show schon seit 2017 in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs ist. Seitdem wird auch bereits mit dem Plakat geworben, das nun für Ärger sorgt. Vonseiten Tina Turners gab es bisher nie Einwände, so Forster. Auch eine Verwechslungsgefahr bestünde nicht, betont er. „Es ist hinlänglich bekannt, dass Tina Turner vor zehn Jahren ihre Bühnenkarriere beendet hat. Wir gehen davon aus, dass jeder Zuschauer daher weiß, dass in unserer Show sie nicht zu sehen sein wird.“ Mit der Tina-Turner-Story zeige man musikalisch nur ihre Geschichte. Die Sängerin mache ja momentan Ähnliches, sagt der Cofo-Chef und verweist auf das von Turner mitgetragenen Musical „Tina“, das seit dem Frühjahr in Hamburg aufgeführt wird. 

Egal, wie am Ende der Streit ausgehen wird: Für Tour-Veranstalter Forster wird trotz der Klage Tina Turner weiterhin eine der besten Sängerinnen der Welt bleiben.