Nur noch den Wochenend-Papa zu spielen: Für Väter ist das nach einer Trennung oder Scheidung oft die größte Sorge. Sie fürchten, ihre Kinder nicht mehr täglich zu sehen; nicht da zu sein, wenn sie väterlichen Halt und Trost brauchen; und sie haben Angst, irgendwann als Daddy vielleicht sogar ersetzbar zu sein.

Vater zu bleiben, fällt vielen Männern schwer, wenn die Familie auseinanderbricht. Es gibt Untersuchungen, die darauf schließen lassen, dass ein Drittel aller Väter ein Jahr nach der Trennung nur noch wenig Kontakt zu den Kindern hat. Nicht immer haben sie das auch so gewollt, berichtet Eberhard Schäfer vom Väterzentrum Berlin: „Viele Väter sehen sich nach einer Trennung einfach nur in der schwächeren Position.“

Gleichberechtigte Elternrollen

Experten raten deshalb zu raschem Handeln: Zögern und Untätigkeit kann zum Beziehungsabbruch gegenüber den Kindern führen, heißt es in einem Leitfaden, den Eberhard Schäfer und Marc Schulte, die Gründer des Väterzentrums e.V. in Prenzlauer Berg, herausgeben.

Entscheidend ist, dass Vater und Mutter gleichberechtigte Elternrollen nach der Trennung aufbauen und trotz allem „ein gutes Eltern-Team“ bleiben, sagt Schäfer. Die gemeinsame Elternverantwortung sollte höchste Priorität haben, heißt es auch im Verein Väteraufbruch für Kinder in Frankfurt am Main. Dazu gehört Respekt und Toleranz gegenüber dem früheren Partner.

Das Väterzentrum Berlin rät, nach einer Trennung nicht in erster Linie über die andere Seite zu schimpfen, sondern selbst die Initiative zu ergreifen. Väter sollten über sich selbst und über ihr Verhältnis zu den Kindern nachdenken. Wie wollen sie die Beziehungen gestalten? Wie den Kontakt erhalten? Wie die Zeiten mit den Kindern organisieren? „Wenn sie selbst einen Plan aufgestellt haben, ist es an der Zeit, mit der Partnerin darüber zu sprechen“, sagt Schäfer. Oft sei das eine gute Chance, für beide Seiten eine gute Einigung zu finden.

Trennung als Neubeginn verstehen

Zur Toleranz gehört es auch, den Erziehungsstil des jeweils anderen zu akzeptieren. Das ist wichtig, wenn die Kinder abwechselnd bei Mutter und Vater leben, die sich die Erziehung teilen. „Man darf nicht vergessen, dass Kinder eine Umstellungsphase brauchen, sie haben den Kopf ja noch voll von den Erlebnissen mit dem Vater, wenn sie bei der Mutter zur Tür hereinkommen; und umgekehrt“, sagt Schäfer.

Dass gemeinsame Unternehmungen zur guten Beziehung beitragen, ist ohnehin klar. Dazu gehört aber auch die Abstimmung mit der Partnerin, wie man Alltagsaufgaben aufteilt, etwa die Fahrt zum Sportverein.

Anwälte und Gerichte einzuschalten, sollte als letztes Mittel gelten. Das Väterzentrum Berlin empfiehlt manchmal, das Jugendamt als fachliche Stelle hinzuzuziehen, die über Rechte und Pflichten aufklären kann. Die Trennung ist oft für alle Familienmitglieder schwierig, sagt Eberhard Schäfer. Deshalb wirbt er dafür, sie als einen Neubeginn zu verstehen: „Manche Väter entwickeln eine viel intensivere Beziehung zu den Kindern, wenn sie erkennen, dass Geldverdienen und Geschichtenvorlesen nicht alles ist.“