Verpackungsmüll.
Foto: imago images/Christian Ditsch

BerlinBeim Eintritt in den Schlosspark Charlottenburg erwartete die Besucher an diesem Wochenende ein ungewohntes Bild: Kaffeebecher, Plastiktüten mit Styroporbehältern, Getränkedosen oder Mini-Tetrapaks für Kinder lagen verstreut auf dem Kiesweg, der in die beliebte Anlage führt. Ähnliches zeigte sich auch in den anderen Parks und in der Stadt – ob im Tiergarten oder auf der Museumsinsel.

Die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen und das schöne Wetter lockten Hunderttausende ins Freie. Die Folge: Die öffentlichen Mülleimer quollen über.

Die Spaziergänger versorgten sich in Restaurants mit Mahlzeiten und Getränken und nahmen diese im Freien zu sich. „Hierdurch kam es in einigen Schwerpunktgebieten zu einem massiven Anstieg an sperrigen Einwegverpackungen“, sagte am Montag der Sprecher der Berliner Stadtreinigung (BSR), Sebastian Harnisch, auf Nachfrage. Die To-Go-Verpackungen hätten nicht nur die Straßenpapierkörbe verstopft, sondern seien auch unter den Papierkörben abgelegt und mitunter sogar achtlos weggeworfen worden. Am Montag machte sich die BSR auf den Weg und räumte auf. „Auf die Situation vom Wochenende haben wir flexibel reagiert und mittlerweile die meisten Verunreinigungen beseitigt“, erläuterte Harnisch.

Die BSR ist vor allem für die Mülleimer im öffentlichen Straßenland verantwortlich. In den Parks sind meistens die Bezirke, teilweise, wie im Schloss Charlottenburg oder in Sanssouci, auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zuständig. Bei Bezirken oder bei der Stiftung müssen die Gärtner oder Mitarbeiter des Grünflächenamts ran.

„Sie haben eigentlich andere Aufgaben“, erklärt Stiftungssprecher Frank Kallensee. Eine Zwischenleerung am Wochenende sei aus Arbeitsschutzgründen nicht möglich. Das verhindere der Öffentliche Dienst. Kallensee war vom aktuellen Müllaufkommen überrascht. „Es war wie in der Hochsaison und noch mehr“, sagte er. Die besondere Situation in der Coronazeit habe zu einem vorzeitigen Höhepunkt geführt. Er forderte die Parkbesucher auf, ihren Müll mitzunehmen, gab jedoch zu: „Das funktioniert nur in Maßen.“

Auch das Bezirksamt Mitte sieht vor allem im unbedachten Verhalten der Parkbesucher das Problem. Nicht die Lockerungsmaßnahmen seien ursächlich für die Vermüllung, sondern der „sorglose Umgang mit der Natur“, teilte Bezirksamtssprecherin Stefanie Engmann mit. „Es wäre schön, wenn jeder den Park so nutzt und hinterlässt, wie er ihn selbst vorfinden möchte“, fügte sie hinzu. Das Bezirksamt Mitte ersetzt derzeit kleine Abfallbehälter durch größere Modelle, die mit Deckeln versehen sind. „Leider werden diese mitunter von Flaschensammlern aufgebrochen, so dass dann die offenen Behälter auch nicht mehr krähensicher sind“, kommentierte Engmann.

Die BSR bemüht sich ebenfalls, auf die aktuelle Situation zu reagieren, doch es sei schwer zu planen. Kurzfristige Verlagerungen von Reinigungsschwerpunkten in das Umfeld einiger Gastronomiebetriebe ließen sich nur schwer vorhersagen, heißt es aus der Pressestelle. Schließlich könne die BSR nicht wissen, welche Restaurants einen To-Go-Service anbieten, wie stark diese Restaurants frequentiert sind und auf welche Weise die Speisen dort verpackt werden.

Die Stadtreinigung hofft darauf, dass die Lage sich bald bessert: „Es ist damit zu rechnen, dass sich die Situation entspannt, wenn Gastronomiebetriebe ihre Gäste wieder im Innenraum bewirten können.“ Bis dahin mahnt die Berliner Stadtreinigung, auf Einwegverpackungen weitestgehend zu verzichten. Wo dies zum Beispiel aus Infektionsschutzgründen aber nicht machbar sei, sollten die Verpackungen nach Gebrauch zusammengepresst und zu Hause in die Abfalltonne geworfen werden. Und noch einen Tipp haben die Reinigungsbetriebe parat: „Teilweise ist es sicher auch möglich, die Verpackungen bei den jeweiligen Gastronomiebetrieben zu entsorgen.“