Seit einer Woche steht fest: Die 32-jährige Rita Awour Ojunge, verschwunden aus einer brandenburgischen Asylunterkunft, ist tot. Die Flüchtlingsorganisationen International Women Space sowie Women in Exile erheben in dem Fall nun Vorwürfe gegen die Polizei und fordern von den Behörden Aufklärung über deren Arbeit.

Skelett nach zwei Monaten gefunden - in der Nähe des Heims

Was ist passiert? Ojunge stammte aus Kenia, seit sieben Jahren lebte sie mit einer Duldung in Deutschland. Sie hatte einen Partner und zwei Söhne, zwei und vier Jahre alt. Laut Polizei und Freunden galt Ojunge als liebevolle und äußerst zuverlässige Mutter. Am 7. April verschwand sie spurlos und mitten am Tag aus ihrer Asylunterkunft im brandenburgischen Hohenleipisch.

Am 25. April rief die Polizei Ojunge als vermisst aus, verbreitete ein Foto von der jungen Frau. Erst ab dem 11. Juni – mehr als ein Monat nach Ojunges Verschwinden – verkündete die Polizei „umfangreiche Ermittlungen“.

Eine Polizei-Hundertschaft habe „über mehrere Tage zirka 32 Hektar stark bewachsenes Waldgebiet“ abgesucht. Die Suche sei kompliziert. Weil das Gebiet munitionsbelastet sei, werde der Kampfmittelbergungsdienst hinzugezogen.

International Women Space: „Wir fordern Antworten von der Polizei“

Mitte Juni dann, sagt International Women Space, habe die Polizei ein Skelett im direkt an das Asylheim angrenzenden Wald gefunden. Am 25. Juni teilt die Polizei offiziell mit: Es handle sich um die skelettierten Überreste von Rita Awour Ojunge. Das habe eine DNA-Analyse ergeben.

„Wie kann es sein, dass ihr Körper erst so spät gefunden wurde – in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes? Und das, obwohl die Polizei angab, seit dem 25. April umfangreiche Ermittlungen und Suchaktionen eingeleitet zu haben?“, fragt International Women Space in einer Mitteilung. Der Fall sei insgesamt „extrem seltsam“, erklärt eine Vertreterin der Organisation der Berliner Zeitung auf Nachfrage. Aufklärungsbedürftig sei nicht nur die gesamte Arbeit der Polizei, sondern auch, warum Ojunges Körper so rasch verweste. „Wir fordern dringend Antworten.“

Die werden noch auf sich warten lassen: Die Polizei verwies auf Anfrage am Freitag lediglich auf „laufende Ermittlungen“, die zuständige Staatsanwaltschaft war  nicht zu erreichen.