Cottbus - Der Unfalltod einer ägyptischen Studentin in Cottbus am Karfreitag 2017 sorgte auch international für Schlagzeilen: Es hieß damals, dass die Studentin angeblich nach dem Unfall auch noch von Insassen des Autos rassistisch beschimpft wurde. Als diese Vorwürfe bekannt wurden, empfahl die Heimatuniversität der Gaststudentin anderen ägyptischen Studenten, sicherheitshalber aus Cottbus wegzuziehen.

Am Donnerstag begann nun vor dem Cottbuser Amtsgericht der Prozess gegen einen 22-jährigen Autofahrer aus Dresden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor. Er soll in den frühen Morgenstunden des 15. April 2017 einen Unfall verursacht haben, bei dem die 22 Jahre alte Fußgängerin so schwer verletzt wurde, dass sie drei Tage später im Krankenhaus ihren schweren Kopfverletzungen erlag.

Cottbus: Nicht erwiesen, dass ausländerfeindliche Parolen gefallen seien

Laut Anklage soll der Autofahrer in einer Tempo-30-Zone mit etwa 50 Stundenkilometern unterwegs gewesen sein, als er die Frau an der Straßenbahnhaltestelle erfasste. Der Verteidiger sagte, der Angeklagte habe das Unfallauto zwar gefahren, bezweifle aber, mit 50 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen zu sein. Der 22-jährige Angeklagte wirkte beim Prozessauftakt eher unbeteiligt, sein Anwalt nahezu provokativ.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Tod der Frau vermeidbar gewesen wäre, hätte der Angeklagte sich an das Tempolimit 30 gehalten.

Die Staatsanwaltschaft hatte auch gegen einen Beifahrer des angeklagten Autofahrers wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Beleidigung ermittelt: Zeugen hatten nach dem Unfall behauptet, dass er die schwer verletzte Ägypterin am Unfallort mit fremdenfeindlichen Parolen beschimpft haben soll. Das Verfahren wurde allerdings eingestellt. Zur Begründung sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Cottbus, Bernhard Brocher, es sei überhaupt nicht erwiesen, dass ausländerfeindliche und volksverhetzende Parolen gefallen seien.

Cottbus: Hat der Fahrer vor dem Zusammenprall Gas gegeben?

Es gab mehrere Zeugen, die am Donnerstag den Unfall im Gerichtssaal schilderten. Sie sagten übereinstimmend, dass das Auto vor dem Zusammenprall hörbar beschleunigt habe und es auf der Straße freie Sicht gab. Das stimmt mit früheren Aussagen von Zeugen überein, die sagten, der Fahrer habe kurz vor dem Zusammenprall noch Gas gegeben.

Insgesamt waren 19 Zeugen zum Auftakt des Prozessen geladen. Auch Sachverständige, unter anderem von der Dekra, wurden gehört.

Zum Prozessauftakt waren auch die Familie der Toten und Freunde aus Ägypten angereist. Die Mutter der ums Leben gekommenen Frau wischte sich immer wieder Tränen ab, wirkte ansonsten aber gefasst.

Für den Prozess hatte das Gericht zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt. Nun gibt es Fortsetzungstermine am 17. Oktober und 7. November. (dpa)