Berlin - Wenn man die Nachricht erhält, ist es wie ein Moment, den man nicht selbst zu erleben scheint: Man steht neben sich, die Zeit verrinnt, und man beobachtet aus der Distanz, was gerade passiert: Da ist jemand, der erfährt, dass ein Mensch, dem er sehr nahe stand, gestorben ist. Noch ist da keine Trauer, nur Unverständnis über die Alternativlosigkeit der Situation. Und man denkt mit Goethe: „Vorbei! Ein dummes Wort.“

„Der Tod ist ein Skandal“, schrieb Elias Canetti und meinte damit, dass er dem Menschen keine Freiheit lässt. Er muss sich bedingungslos in sein Schicksal fügen. Was für ein Gegensatz zum Leben, das voller Entscheidungen steckt, voller Möglichkeiten. Und dann ist da auch noch die Organisation des Todes, die ebenfalls einen skandalösen Aufwand erfordert. Und doch markiert sie den Übergang vom Tod zum Leben, durch den die Trauer erträglich wird. Denn das kennen wir alle: Organisation – die Struktur, die unser Dasein in Form hält –Termine, Bekanntmachungen und Bescheinigungen. Auf dieser Seite wollen wir Ihnen helfen, den Überblick in einer solchen Situation zu behalten.

1. Einen Arzt benachrichtigen

Stirbt der Angehörige daheim, sollte man als Erstes den Hausarzt benachrichtigen. Steht der nicht zur Verfügung, kann man den Bereitschafts-Dienst der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen. Der Notarzt ist meist nicht der richtige Ansprechpartner, da ein gewisser Zeitraum abgewartet werden muss, um die Todesursache zweifelsfrei festzustellen. In Hospizen, Pflegeheimen und Krankenhäusern gibt es dafür eigene Regularien. Mit dem Ausfüllen des Totenscheins ist das offizielle Ende bestätigt. Ist die Ursache unklar, ist der Arzt verpflichtet, weitere Untersuchungen einzuleiten.

2. Familie und Freunde informieren

Danach sollten Sie alle benachrichtigen, die für die verstorbene Person wichtig waren, um mit ihnen weitere Schritte zu besprechen. Dabei geht es auch um das unmittelbare soziale und berufliche Umfeld – vom Arbeitgeber, über den Sportverein bis zur Pfarrgemeinde, mit der man möglicherweise die Umstände der Beisetzung bespricht. Für die Information der weiteren Bekannten eignet sich eine Todesanzeige, bei deren Gestaltung man sich von den Wünschen und Gefühlen des oder der Verstorbenen leiten lässt. Wenn Ihnen keine Adressen bekannt sind, hilft  eine Melderegisterauskunft bei den Bürger- und Meldeämtern.

3. Den Haushalt ordnen

Wasser, Gas, Fenster, Heizung – alles Dinge, die Sie kontrollieren sollten, damit kein Schaden entsteht. Sind Haustiere vorhanden, muss für eine Unterbringung, notfalls im Tierheim, gesorgt werden. Schauen Sie, wo sich die persönlichen Dokumente befinden, um sie beiseite zu legen.

4. Die Behörden

Spätestens am dritten Werktag  müssen Sie den Todesfall beim Standesamt melden und können bis zu zehn Sterbeurkunden für die Behördengänge beantragen. Dafür benötigen Sie Personalausweis, Totenschein, Geburtsurkunde und gegebenenfalls eine Heiratsurkunde, Scheidungsurteil und die Sterbeurkunde des Ehegatten. Hat der oder die Verstorbene eine Bestattungsverfügung erstellt, wird der entsprechende Wunsch nach Feuer- oder Seebestattung ebenfalls dem Standesamt mitgeteilt. Der Tote muss in Berlin innerhalb von 36 Stunden in eine Leichenhalle überführt werden. Eine Aufbahrung zu Hause ist unter Umständen über den Zeitraum von zwei Tagen verlängerbar. Bei einem Unfall muss bei Vorliegen einer entsprechenden Versicherung innerhalb von 48 Stunden der Tod angezeigt werden.

5. Vor der Bestattung

Innerhalb von 36 Stunden muss man mit dem Bestatter den Termin zur Abholung des Toten geklärt haben. Wichtig: Schauen, ob der oder die Verstorbene einen Bestattervorsorgevertrag mit einem Unternehmen geschlossen hat, eine Bestattungsverfügung besaß oder sogar eine Sterbeversicherung für die Kostenübernahme. Danach geht es um Details: Nutzung der Trauer- und Leichenhalle, benötigtes Personal für die Bestattung, die Beschaffenheit von Sarg und Urne, Zubehör von Bekleidung, Kissen, Kerzen, Blumendekoration, Trauerredner sowie, falls erwünscht, die Grabpflege.  Blumen, Kränze und Handsträuße findet man in der Regel bei friedhofsnahen Gärtnereien. Die Liegezeit beträgt in Berlin einheitlich 20 Jahre, kann aber auf persönlichen Wunsch verlängert werden.

6. Nach der Bestattung

Erst einmal muss der Verstorbene abgemeldet werden, als da wären: Krankenkasse, Rentenversicherungsträger, Sozial- und Versorgungsamt. Sofern ein Auto vorhanden ist, muss man sich auch hier um Versicherung und Zulassung kümmern. Daneben sollten die laufenden Zahlungsverpflichtungen gekündigt werden: Wohnung, Fernseh- und  Rundfunkgebühren, Telefon und Internet, Versicherungen und Abos, Vereinsbeiträge und sonstige Verpflichtungen. Um Einblick in die Konten zu erhalten, brauchen Sie die Sterbeurkunde und Ihre Ausweispapiere. Auch Gläubiger müssen notfalls informiert werden. Ein Tipp: Stellen Sie gegebenenfalls einen Nachsendeantrag. Witwer sollten eine Renten(fort)zahlung beantragen. Die ersten drei Monate nach dem Tod, das sogenannte Sterbevierteljahr, stehen Ihnen  in voller Höhe zu.

7. Testament und Nachlass

Wenn Sie im Besitz von notariellen Verfügungen und Testamenten (handschriftlich) sind, sollten Sie diese an das Nachlassgericht geben. Dies ist meist das Amtsgericht am Wohnort des Verstorbenen. Hier können Sie auch die Erbscheine in ausreichender Stückzahl beantragen. Danach sprechen Sie mit dem Notar den Termin zur Testamentseröffnung ab und informieren die Erben. Gibt es kein Testament, gelten die Regeln der gesetzlichen Erbfolge. Danach kommt der letzte Akt: die Wohnungsauflösung. Holen Sie Angebote von Entrümplern ein und vereinbaren Sie einen Festpreis. Wichtig: Bei Mietwohnungen schauen Sie auch noch einmal in den Mietvertrag. Sind starre Fristen zur Renovierung vereinbart, müssen Sie trotz gegenteiliger Klauseln laut BGH-Urteil die Wohnung nicht renoviert übergeben.