Berlin - Rund 2600 Menschen haben am Samstag in Berlin gegen Rechtsextremismus demonstriert. Sie erinnerten an den vor 19 Jahren ermordeten Hausbesetzer Silvio Meier. Er war im U-Bahnhof Samariterstraße von einem Neonazi erstochen worden. Von dort startete auch der Gedenkmarsch quer durch Friedrichshain in Richtung Lichtenberg. Unter den Demonstranten waren zahlreiche linke Gruppen.

Nach Ende der Veranstaltung kam es zu kleineren Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei. Vereinzelt wurden Flaschen und Steine auf die Beamte geworfen. Es kam zu mehreren Personenkontrollen und einer Festnahme. Nach vorläufigen Angaben eines Sprechers wurden zwei Polizeibeamte verletzt, konnten ihren Dienst aber fortsetzen. Ein ebenfalls verletzter Passant musste ins Krankenhaus gebracht werden. Rund 600 Polizisten waren im Einsatz.

Auf Transparenten der Demonstranten war zu lesen „Occupy - Nazifrei“ und „Verfassungsverbot jetzt!“. Zu Beginn der Veranstaltung mit zunächst rund 800 Teilnehmern wurden auch Fotos von Mordopfern der Neonazis hochgehalten.

Während des Protestes kam es immer wieder zu kleineren Zwischenfällen. An der Ecke Liebigstraße Rigaer Straße wurden aus dem Demonstrationszug heraus Feuerwerkskörper gezündet, auf den Häuserdächern brannten Fackeln. Die Polizei schritt allerdings nicht ein. Die Demonstranten zogen auch durch den Weitlingkiez, der als rechte Hochburg gilt.

Bei der Ankunft in Lichtenberg wurde skandiert „Lichtenberg wir sind da - autonome Antifa.“ Der Protestzug führte auch an einem Neonazi-Treffpunkt vorbei, der von der Polizei abgeschirmt wurde. Dort waren erneut Sprechchöre zu hören. An vielen Fenstern in Lichtenberg gingen die Rollläden runter, als die Demonstranten vorbeizogen. Offiziell beendet wurde die Protestaktion gegen 18.30 Uhr am Wismar Platz in Friedrichshain.

In Jena in Thüringen hatten bereits am Freitagabend mehrere hundert Menschen der Opfer rechter Gewalt erinnert. Drei Neonazis aus der Stadt sollen für eine beispiellose Mordserie verantwortlich sein. (dpa/blz)