Der Tod ist an den Breitscheidplatz zurückgekehrt. Zum zweiten Mal in weniger als sechs Jahren überfuhr ein Mann Menschen im Schatten der Gedächtniskirche. Auf Aufnahmen vom Ort des Geschehens sind im Hintergrund die vielen Poller zu sehen, die nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 aufgestellt wurden. Im Vordergrund liegen leblose Körper von Kindern und Erwachsenen auf dem Boden. Aus ihren Köpfen strömt Blut.

Noch ist nicht geklärt, wieso der mutmaßliche Täter, ein Deutsch-Armenier namens Gor. H., der wegen Eigentumsdelikten polizeibekannt sein soll, Teenager aus Hessen auf ihrer Klassenfahrt vernichten wollte. Noch ist nicht klar, wieso er deren 51 Jahre alte Lehrerin tötete und viele weitere Personen schwer verletzte. Doch eins ist klar: Berlin schafft es nicht, sich dort zu schützen, wo es bereits getroffen wurde.

Sicherheit in Berlin: Sie ist nicht groß genug

Was bedeutet es, wenn Berlin nicht einmal dort seinen Bewohnern und seinen Gästen Sicherheit garantieren kann, wo es mit einem Anschlag rechnen muss? Wer soll es Eltern in ganz Deutschland nun verübeln, wenn sie bei Klassenfahrten nach Berlin ein mulmiges Gefühl bekommen? Wer will nun ohne Sorge den Kudamm entlangflanieren und sich nicht bei jedem aufheulenden Motor in Angst umdrehen?

Natürlich: Nicht jeder Platz lässt sich umpollern, nicht jede Straßenecke mit Betonquadern absichern, nicht jede Fußgängerzone hermetisch abriegeln. Und doch hätte gerade an diesem einen Ort, der in Berlin Terroristen, Wahnsinnige oder Amokläufer wie wohl kein zweiter seit 2016 anzieht, mehr getan werden müssen. Es wurde versäumt

Normalerweise gilt weltweit als Faustregel, dass überall dort, wo ein Angriff stattgefunden hat, die Sicherheit besonders groß ist, sodass ein zweiter Vorfall höchst unwahrscheinlich wird. Nur nicht in Berlin. Da kann man auch nach 2016 noch am Breitscheidplatz totgefahren werden.

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