Berlin - Zehn Tage nach dem Mord an Jonny K. am Alexanderplatz hat die Polizei zwei weitere Tatverdächtige festgenommen. Der 19- und der 21-Jährige stellten sich am Mittwoch der Polizei. Sie meldeten sich am Vormittag in Begleitung ihrer Rechtsanwälte bei der Mordkommission in der Schöneberger Keithstraße. Die jungen Männer wurden sofort festgenommen und dann von den Ermittlern verhört.

Bereits am Dienstag hatte die Polizei in Wedding den 19-jährigen Osman A. gefasst, der zu der sechsköpfigen Tätergruppe gehören soll, die am Morgen des 14. Oktober den 20-jährigen Jonny K. aus Spandau in der Rathausstraße zu Tode prügelte. Die Festnahme fand nicht, wie von der Polizei ursprünglich gemeldet, in der Osloer Straße, sondern in der nahe gelegenen Soldiner Straße statt.

Ein Ermittlungsrichter erließ am Mittwochnachmittag Haftbefehl gegen Osman A. – wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Ob auch gegen die beiden anderen jungen Männer Haftbefehl beantragt wird, will die Staatsanwaltschaft am heutigen Donnerstag entscheiden.

Besuch im Cancún

Bei dem 19- und dem 21-Jährigen handelt es sich um Freunde von Osman A. Sie und ein weiterer Bekannter waren in der Nacht zum 14. Oktober, einem Sonntag, Gäste im Lokal Cancún an der Rathausstraße nahe des Alexanderplatzes.

Der Hergang des Verbrechens, das sich danach ereignete, wird inzwischen etwas klarer: Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei und nach Darstellung von Familienmitgliedern der Beschuldigten verließen die Vier am Morgen das Lokal. Einer von Osmans Freunden – er ist noch nicht festgenommen – traf draußen auf zwei türkische Bekannte. „Osman selbst kannte die beiden gar nicht“, sagte einer seiner Onkel am Mittwoch der Berliner Zeitung.

Zu sechst zog die Gruppe dann weiter in Richtung S-Bahnhof. Osman A. und seine Bekannten schieben die Hauptschuld auf die beiden Hinzugekommenen. Die sollen als Erste auf Jonny K. losgegangen sein, der sich gerade um einen betrunkenen Freund kümmerte, der auf einem Stuhl saß.

Auch Jonnys Freund verletzt

Zwar kannte Osman A. die beiden nach eigenem Bekunden nicht, jedoch haben auch er und seine drei Freunde um Jonny K. herumgestanden und ebenfalls auf ihn eingeschlagen, glauben die Ermittler. Auch ein 29-jähriger Freund von Jonny K., der eingriff, wurde von der Tätergruppe verprügelt und erlitt einen Jochbeinbruch.

Inzwischen hat die Polizei auch die Namen der restlichen drei Verdächtigen ermittelt und fahndet nach den Männern. Die beiden Hinzugekommenen, die als erste auf Jonny K. losgeprügelt haben sollen, haben sich entgegen ersten Vermutungen offenbar doch in die Türkei abgesetzt. Da sie aber die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, gehen die Ermittler davon aus, dass eine Auslieferung nach Deutschland kein Problem ist.

Die Familie des festgenommenen Osman A., die sich am Mittwoch in der Weddinger Wohnung des Tatverdächtigen traf, ist von der Unschuld des 19-Jährigen überzeugt. Ein Nachbar der Familie kann nur Gutes über ihn sagen: „Er ist höflich und sehr hilfsbereit, hält einem immer die Tür auf.“

Und der Onkel des Festgenommenen behauptet: „Osman war am Alexanderplatz dabei, aber nicht der Haupttäter. Er wollte sich auch der Polizei stellen.“ Die Polizisten, die ihn festnahmen, wollten darauf nicht warten.