Schlosspark-Klinik in Charlottenburg: Festnahme des Tatverdächtigen im Tötungsdelikt Fritz von Weizsäcker.
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BerlinVor vier Monaten wurde  Fritz von Weizsäcker, Chefarzt der Schlosspark-Klinik,  erstochen, ein Polizist wurde bei der Tat lebensgefährlich verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage erhoben gegen Gregor S., den mutmaßlichen Täter. Der Vorwurf lautet auf Mord und versuchten Mord.   

Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen: Am Abend des 19. November 2019 hielt Fritz von Weizsäcker, ein Sohn des einstigen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, in der Klinik in Charlottenburg einen öffentlichen Vortrag zum Thema Fettleber. Kurz vor 19 Uhr, die Veranstaltung war gerade zu Ende, stürzte sich der 57-jährige Gregor S., der im Publikum gesessen hatte,  auf den Professor und rammte ihm ein Klappmesser in den Hals.

Beschuldigter soll Tat längere Zeit geplant haben

Der 33-jährige Polizist Ferrid Brahmi, der sich privat den Vortrag angehört hatte, zu Hilfe eilen und den Angreifer das Messer entreißen wollte, wurde schwer verletzt. Der mehrfache Familienvater musste notoperiert werden. Für den 59 Jahre alten Fritz von Weizsäcker kam jede Hilfe zu spät, er verstarb noch am Tatort. Der Mediziner hinterlässt eine Frau und vier Kinder. Der mutmaßliche Täter konnte noch in der Klinik festgenommen werden.

Mord und versuchter Mord, so lautet die Anklage gegen Gregor S. Er soll den Chefarzt heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet und den Polizisten zur Ermöglichung einer Straftat niedergestochen haben. Gregor S. habe die Tat seit längerer Zeit geplant, sagte Martin Steltner, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Freitag der Berliner Zeitung. „Das Motiv der Tat ist wahnhafter Hass auf die Familie des einstigen Bundespräsidenten.“

Gregor S. soll den einstigen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker dafür verantwortlich gemacht haben, dass der Boehringer-Chemiekonzern in den 60er-Jahren tödliche Giftstoffe für den Vietnam-Krieg geliefert hat. Von Weizsäcker war damals Mitglied der Geschäftsführung des Konzerns. Er wurde 1984 Bundespräsident und hatte dieses Amt zehn Jahre inne. 2015 starb Richard von Weizsäcker.  Gregor S. soll seinen Hass auf den einstigen Bundespräsidenten nach dessen Tod auf die gesamte Familie projiziert haben.

Der Beschuldigte stammt aus dem rheinland-pfälzischen Andernach, wo er laut Anklage als Lagerist gearbeitet und allein gelebt hatte. Er habe sich offenbar in den wahnhaften Hass auf die Familie von Weizsäcker hineingesteigert, so Steltner. Erst am Tattag sei der mutmaßliche Mörder mit dem Zug nach Berlin gereist und habe in Charlottenburg vor der Tat noch „etwas gekauft, um seinen Computer unbrauchbar zu machen“.

Kriminalkommissar Ferrid Brahmi, der Messerstiche an Hals und Oberkörper erlitten hatte und den Angreifer trotz seiner schweren Verletzungen überwältigen konnte, wurde zwei Monate nach dem Mord an Fritz von Weizsäcker mit dem Ehrenzeichen für besondere Leistungen im Dienst geehrt. Innensenator Andras Geisel (SPD) erklärte bei der Verleihung der Auszeichnung, Ferrid Brahmi sei ein Vorbild für die Polizei. Er habe versucht, Lebens zu retten. Selbstlos und mutig.

Der mutmaßliche Mörder von Fritz von Weizsäcker ist seit der Tat aufgrund seiner vermuteten wahnhaften Vorstellungen in einer psychiatrische Klinik untergebracht. Ob seine Schuldfähigkeit eingeschränkt oder sogar aufgehoben ist, könne erst in einem Prozess geklärt werden, heißt es.