In einem von einem von Anfang an konfliktbeladenen Fall ist nun auch noch ein Urteil gefällt worden, das weitere Konflikte und Zweifel hervorrufen wird. Die Kammer des Landgerichtes  Chemnitz hat den 24 Jahre alten Angeklagten Syrer Alaa S. des Totschlags und gefährlicher Körperverletzung für schuldig befunden und zu neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil fällt fast genau ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff auf Daniel H. in Chemnitz. Die Kammer traute sich das Urteil zu, Alaa S. und ein flüchtiger Iraker hätten den Deutschen erstochen. Die Beweislage war schwierig, der Hauptzeuge hatte seine Aussage mehrfach geändert, Alaa S. hat seine Unschuld beteuert und ansonsten geschwiegen. Den Richtern reichte es trotzdem für ein hartes Urteil.

Nun könnte man froh sein, wenn ein Gewalttäter einer gerechten Strafe zugeführt wird, aber das darf nie und nimmer unter dem Einfluss von öffentlicher Meinung von welcher Seite auch immer zustande kommen, sondern bedarf eindeutiger Beweise. Öffentlichen Druck auf das Gericht gab es in diesem heiklen Fall von allen Seiten. Viel mehr jedenfalls als klare Beweise. An diesen durfte man zumindest zweifeln - und dann hätte gegolten: Im Zweifel für den Angeklagten.

Die Gewalttat hatte in Chemnitz zunächst dazu geführt, dass Ausländer gejagt wurden, weil Ausländerhasser umstandslos und umgehend ihr eigenes Urteil gefällt hatten. Die dürfen sich durch das Urteil bestätigt fühlen - was kein Problem wäre, wenn es denn juristisch auf sicheren Füßen stünde. Das Urteil der Kammer des Landgerichtes Chemnitz ist noch nicht rechtskräftig, es kann vor dem Bundesgerichtshof angefochten werden. Wird es dort kassiert, hätte der heute gefällte Spruch dem Rechtsstaat schweren Schaden zugefügt.