Tempelhof - Eine 25-jährige Frau ist in der Nacht zum Donnerstag in Tempelhof umgebracht worden. Die Tat ereignete sich in einem Hochhaus an der Burgemeisterstraße.

Das Geschrei, das aus der Wohnung drang, schreckte gegen Mitternacht die Nachbarn auf. Sie riefen die Polizei. Als die Beamten im Flur der 7. Etage ankamen, ahnten sie bereits Schlimmes: Die Wände und der Teppich waren voller Blut.

Mit einer Ramme brachen sie die Wohnungstür des 64-jährigen Bernd S. auf – und sahen die blutüberströmte Frau am Boden liegen. Sie überwältigten den Mann und nahmen ihn fest. Ein Notarzt versuchte vergeblich, die leblose Frau, die einmal die Geliebte des Festgenommenen war, zu reanimieren.

Polizei und Nachbarn rätseln über das Tatmotiv

Die Mordkommission des Landeskriminalamtes will sich weder zum Tathergang noch zum Motiv äußern. Offenbar wurde die 25-Jährige, die aus Polen stammen soll, mit einem Messer getötet. Sie  verlor viel Blut. Sie versuchte wohl noch vor ihrem Peiniger aus der Wohnung zu fliehen. Doch der Täter schleifte die Schwerverletzte in die Wohnung zurück.

Die Bewohner des Elfgeschossers rätseln, warum Bernd S. dies getan haben könnte. In dem heruntergekommenen anonymen Plattenbau kennen sich viele nicht, wie eine alte Frau aus dem 11. Stock sagt. „Hier wechseln ständig die Mieter.“

Bernd S., der ständig mit seinem Staffordshire-Terrier Campino unterwegs war und jedem erzählte, dass er begeisterter Hobbytaucher sei, kennen hingegen viele. Er war hier bis vor vier Jahren Hausmeister, auch wenn seine Frau eigentlich die meiste Arbeit gemacht haben soll. Als er den Job aufgab, habe er sich von seiner bisherigen Frau getrennt und sich die junge Polin geangelt, sagen mehrere Bewohner.

Kein netter Mensch aber "eigentlich kein Gewalttäter"

Die junge Frau kennen sie allerdings nur entfernt vom Sehen. „Ein Mord ist ihm nicht zuzutrauen“, sagt ein 18-Jähriger. „Ich denke nicht, dass er das in nüchternem Zustand tun könnte.“ Er ist sich aber einig mit seiner Schwester, dass der Ex-Hausmeister „kein netter Mensch“ sei. „Wenn wir als Kinder nach 19 Uhr draußen gespielt haben, kam er mit seinem Hund, der dann den Ball zerbissen hat“, sagt die Schwester. Auch habe er sie immer mit seinem Schlüsselbund beworfen, sagen die jungen Leute. „Aber er ist eigentlich kein Gewalttäter.“

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde Bernd S. am Donnerstagabend einem Richter vorgeführt, der Haftbefehl erließ.