Japanische Kopie des Berliner Originals: durchsichtige Toiletten in Tokio.
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BerlinBerlin und Japan, das ist die perfekte Kombination bei neuen Technologien, schon immer gewesen. In Berlin werden die Erfindungen gemacht, in Japan vermarktet. Der Computer zum Beispiel. Den hat sich Konrad Zuse ausgedacht, ein waschechter Wilmersdorfer. Oder das Auto, eine Idee von Carl Benz aus Baden-Württemberg. Ja, genau, aus dieser Exklave von Prenzlauer Berg. Und so geht es immer weiter, bis zum heutigen Tag, bis zur neusten Entwicklung: der durchsichtigen Toilette.

Das Problem bei diesem Joint Venture besteht jetzt allerdings darin, dass ein gewisser Shigeru Ban einfach mal behauptet, er habe das Meisterstück der Entsorgungstechnik nicht nur in die Serienfertigung überführt, sondern zuvor selbst entwickelt. In einem Park in Tokios Szenestadtteil Shibuya hat er das der erstaunten Öffentlichkeit mitgeteilt, während er in seiner Eigenschaft als Architekt das angeblich erste Exemplar vorführte: Ist die Toilette frei, können Interessierte durch die gläsernen Wände ins Innere schauen. Ist sie besetzt, werden die speziell beschichteten und mittels Strom angesteuerten Wände undurchsichtig.

Nun müsste aber jeder wissen, dass die weltweit erste durchsichtige Toilette auf Berliner Boden steht. Zumindest jeder, der schon mal im Volkspark Friedrichshain auf einer bestimmten Liegeweise Platz genommen hat. Sie befindet sich wenige Schritte vom berühmten Märchenbrunnen entfernt, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie das berühmtere der beiden Wasserspiele wird.

Der Clou ist, dass man jederzeit hineinschauen kann, egal ob jemand drauf ist oder nicht. Der Prototyp der durchsichtigen Toilette kommt nämlich ganz ohne Wände aus, ganz ohne Strom, ja sogar ganz ohne Toilette.

Von außen ist dieses Örtchen daher nicht sofort auszumachen und dennoch alles andere als still. Es muss im Internet einen entsprechenden Hinweis geben. Die einschlägigen Netzwerke würden in diesem Fall dann tatsächlich mal das Adjektiv sozial verdienen, denn die durchsichtige Toilette im Szenestadtteil Friedrichshain ist zu einer Begegnungsstätte geworden, an der sich unfreiwillig spannende Entspanner und alkoholisch belastete Entlaster beiläufig näher kommen.

Wie könnte es im grün regierten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg anders sein, steht bei aller Freizügigkeit doch die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Statt wie in Tokio die menschlichen Hinterlassenschaften lediglich aufzufangen und ungenutzt irgendwo zu verklappen, werden sie hier direkt wieder in den biologischen Kreislauf eingespeist. Dieses ökologisch vorbildliche Prinzip ermöglicht dem aufnehmenden Baum samt dem umstehenden Gebüsch ein kerngesundes Wachstum.

Es kann nun nicht mehr lange dauern, bis ein japanischer Großkonzern aus dieser Entdeckung Kapital schlägt und den Markt mit seinem Dünger überschwemmt. Dünger aus Harn. Und wer schaut in die Röhre?