Das „Stockacher Narrengericht“ ist eine Institution der süddeutschen Fastnacht. Seit 1960 werden hier Politiker vor Gericht gestellt. Auch Angela Merkel traf es schon, damals als CDU-Vorsitzende. Merkels Auftritt war nicht weiter bemerkenswert, was wahrscheinlich kein Zufall war. Dieses Jahr war ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer an der Reihe.

Und es wurde mehr als bemerkenswert: In ihrer Büttenrede sagte die 56-Jährige: „Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.“ Das Publikum johlte.

Fastnacht (Karneval oder Fasching) ist, was die Bewertung von Humor angeht, schwieriges Terrain. Als Bernd Stelter auf einer Karnevalssitzung mit Witzen über Doppelnamen den Zorn einer Zuschauerin auf sich zog, winkte man noch ab. Kramp-Karrenbauers Scherz hingegen wurde heftig kritisiert, auch von Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Aber es gab auch Verteidiger der CDU-Vorsitzenden: Es sei Karneval und Kramp-Karrenbauers Rede Satire. Die darf bekanntlich alles.

Nun hält Kramp-Karrenbauer Intersexualität womöglich für eine Art Spinnerei. (Frühere Äußerungen zur Ehe für alle, die sie indirekt mit Inzucht und Polygamie verglich, lassen den Schluss zu.) Und was sie über das dritte Geschlecht denkt, ist ihre Angelegenheit. Doch sich über Minderheiten öffentlich lustig zu machen, ist einer Politikerin unwürdig, zumal einer, die „Kanzlerin“ als nächstes Amt eingeplant hat. Denn Satire darf alles. Eine CDU-Vorsitzende aber nicht.