Berlin - Michael K. galt einst als Shootingstar in deutschen Chefetagen. Doch dann veruntreute er Millionen, wollte einen Richter entführen lassen. Ab nächster Woche steht er wieder vor Gericht: wegen versuchter Anstiftung zum Mord in zwei Fällen.

Er hatte eine glänzende Karriere vor sich. Mit 28 Jahren wurde Michael K. vom Manager Magazin unter 19000 Bewerbern zum „CEO of the Future“, zum Nachwuchsmanager des Jahres, gewählt. Er arbeitete sich danach in großen deutschen Konzernen nach oben, diente unter Thomas Middelhoff und Klaus Zumwinkel bei Karstadt und der Post.

Doch die Karriere des Shootingstars  nach oben, machte einen starken Knick nach unten.  Bis in den Knast. Ab Dienstag muss sich der 43-Jährige nun erneut vor Gericht verantworten. Diesmal in Berlin.  Der Vorwurf  gegen Michael K. wiegt schwer. „Die Anklage wirft ihm versuchte Anstiftung zum Mord in zwei Fällen vor“, sagt die Gerichtssprecherin Lisa Jani.

3,7 Millionen veruntreut

Aufstieg und Fall  des Michael K. ist eine so unglaubliche Story, dass sie jedem Drehbuchautor um die Ohren gehauen worden wäre.  K. war  zuletzt Geschäftsführer des Textildiscounters NKD und soll eine halbe Million Euro im Jahr verdient haben. Über seinen Erfolg hatte er einst gesagt, Führung bedeute stets Bereitschaft zu Risiko.

Risikoscheu war K. wahrlich nicht.  Er zweigte  von den NKD-Konten 3,7 Millionen Euro ab, ließ das Geld über ein kompliziertes Firmengeflecht verschwinden. Dafür wurde er im April 2015 vom Landgericht im bayerischen Hof nach über einjähriger Verhandlungsdauer wegen Untreue zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Doch es kam noch dicker. Noch während des Untreueprozesses hatte Michael K.  zwei Mitgefangene aus Tschechien angesprochen. Sie sollten die Russenmafia  beauftragen, den Vorsitzenden Richter  in dem Untreueverfahren zu entführen und zur Not zu töten. Damit wollte die einst hochgelobte Führungskraft einen Freispruch erpressen. 

Sechs Verhandlungstage

Doch die Tschechen offenbarten sich. Michael K. erhielt wegen versuchter Verabredung zu einem Verbrechen einen Nachschlag von fünf Jahren. Aus beiden Urteilen wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren gebildet. Michael K. ließ sich nach Berlin verlegen.

Und machte, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt,  munter weiter. Er soll einen Mitgefangenen angesprochen und Immobilien angeboten haben. Für einen  Mörder, der einen der Tschechen,  die die geplante Geiselnahme in Hof vepfiffen  hatten, zum Widerruf der Aussage zwingen und danach töten sollte.  Doch auch dieser Mithäftling vertraute sich der Justiz an. 

Es ist nicht so, dass K. nun seine Strafe still abgesessen hätte. Erneut soll er  jemanden gesucht haben, der sich um den Berliner „Verräter“ kümmern sollte. Und wieder wurde sein Begehren verraten.

Nun also kommt Michael K. erneut vor Gericht. Sechs Verhandlungstage sind geplant. Ein Urteil könnte bereits am 10. Dezember gesprochen und  die Knastkarriere von Michael K. bei einem Schuldspruch weiter vorangetrieben werden.