Berlin - Die Gartensaison ist eröffnet und nicht wenige Hobbygärtner haben Balkone, Vorgärten oder Baumscheiben schon liebevoll gestaltet. In Kreuzberg wurden jetzt auch eher unübliche Orte begrünt: Auf dem Gehweg an der Reichenberger Straße 59 und an der Wiener Straße 38 hat der Naturschutzbund (Nabu) zwei Mini-Gärten angelegt.

Auf sieben beziehungsweise zehn Quadratmetern stehen Töpfe, Waschbecken und Teedosen, in denen unter anderem Holunder, Felsenbirnen und Bärlauch gedeihen. Noch bis zum Donnerstag dieser Woche können Passanten dort innehalten und erfahren, was jeder zum Naturschutz beitragen kann. „Torffrei gärtnern“ heißt die Nabu-Aktion, die in den beiden Pop-Up-Gärtchen demonstriert wird.

Mit gutem Gewissen gärtnern

„Wir wollen mit unserer Aktion zeigen, dass für Gartenerde keine Moore zerstört werden müssen“, sagt Nabu-Projektleiterin Djuke Nickelsen. Denn fast alle handelsüblichen Gartenerden bestünden hauptsächlich aus Torf, dem Hauptbestandteil von Mooren. Torf ist ein sehr guter Wasserspeicher und zudem voluminös, das heißt, ein Sack Erde ist schnell voll.

Die meisten Käufer greifen da zu, aber, so Nickelsen: „Wenn Torf abgebaut wird, stirbt das Moor.“ Mit weitreichenden Folgen: „Eine große Tier- und Pflanzenvielfalt geht so verloren.“ Und riesige Mengen Kohlenstoff, wesentlicher Antriebsstoff für den Klimawandel, würden freigesetzt.

Originelle Ideen gefragt

In den beiden kleinen Gärten in Kreuzberg zeigen die Nabu-Aktivisten, wie man mit gutem Gewissen gut gärtnern kann: „Jeder kann zum Naturschutz beitragen, indem er torffreie Pflanzerde benutzt.“ Die gibt es – extra ausgezeichnet – in Bau- und Gartenmärkten. Vor allem aber auf Recyclinghöfen der BSR. „Der Berliner Biomüll wird dort in einem tollen Kreislauf recycelt“, sagt die Projektleiterin.

Am Freitag werden die Gärtchen abgebaut. Die Pflanzen werden dann auf Kitas verteilt, die sich darum bewerben. Der Nabu veranstaltet zudem einen Fotowettbewerb. Nickelsen: „Wir suchen die originellsten Upcycling-Ideen für Balkon, Garten und triste Ecken im Kiez.“ Wer bis zum 30. Juni eine witzige Idee für die Wiederverwendung von Materialien unter #wirsindwaswirtun und #upcycling auf Facebook oder Instagram postet, kann ein restauriertes Rennrad aus den 1980er-Jahren gewinnen.