Cottbus - Normal war dieser Mann nicht. Das ist klar, das ist auch bekannt. Fürst Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (1785 bis 1871) war schon zu Lebzeiten eine wahre Legende.

Aber wie abgedreht dieser Exzentriker tatsächlich war, kann auch heute noch jeder Besucher erahnen, der durch sein großes Lebenswerk schlendert: den weitläufigen und sehr beeindruckenden Landschaftspark rund um das Schloss Branitz bei Cottbus.

Besonders imposant ist eine kleine künstliche Insel in einem künstlichen See. Die gesamte Insel ist eine einzige Pyramide. Noch zu Lebzeiten ließ der Fürst den späteren See ausschachten, nur um sich von dem Aushub eine zwölf Meter hohe Pyramide auftürmen zu lassen. Sie sollte sein Grab werden, und dort ließ er sich 1871 tatsächlich beerdigen.

Diese Art eines Grabhügels gilt weltweit als einmalig. Die Pyramide, auch Tumulus genannt, wird nun, mehr als 140 Jahre nach dem Tod des Fürsten, saniert. Noch bis Oktober werden die Arbeiter an den steilen Hängen beschäftigt sein. „Im Mai nächsten Jahres wird der Tumulus dann wieder offiziell der Öffentlichkeit übergeben“, sagt Parkleiter Claudius Wecke.

„Enorme Leistung“

„Nicht nur der See und die Pyramide, der gesamte Park ist eine enorme Leistung“, sagt Wecke. Der 31-jährige Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur ist ganz begeistert vom Werk seines berühmten Vorgängers. Denn Pückler hatte, bevor er 1845 nach Cottbus kam, 20 Jahre lang sein ursprüngliches Lebenswerk aufgebaut: den noch größeren Schlosspark im sächsischen Muskau. „Doch dort war er finanziell gescheitert“, erzählt Wecke. Also verkaufte er das dortige Areal, beglich seine Schulden und schuf vom restlichen Geld den Branitzer Park. „Es ist bemerkenswert, dass er immerhin im Alter von 60 Jahren hier noch einmal damit anfing, einen solch ambitionierten Landschaftspark zu gestalten.“

Pückler schrieb damals, dass rund um das Schloss nur plattes Land war, endlose, langweilige Äcker. Der Gartenfürst bezahlte dann sehr viele Tagelöhner, die aus dieser kargen Landschaft, den wohl schönsten Landschaftspark im heutigen Brandburg schuf. Das Besondere daran: Es gab damals natürlich weder Bagger noch Planierraupen. „Es wurde alles mit Schippe und mit Pferdefuhrwerken geschaffen“, sagt Wecke. All die endlosen Wassergräben, die vielen kleinen Seen, die unzähligen Hügel seiner Landschaftsgemälde.

Der Fürst ließ auch spezielle Pflanzmaschinen bauen, also Fuhrwerke, mit denen er große Bäume in den Park bringen konnte. „Allein in den ersten fünf Jahren ließt er 700 Bäume rankarren“, sagt Wecke.

Dass sich der „grüne Fürst“ inmitten seines irdischen Paradieses auch noch eine mehr als exotische letzte Ruhestätte schuf, ist bei einem solchen Leben geradezu folgerichtig – und damit wieder normal. Pückler war nicht nur ein berühmter Weltbummler, Dandy, Frauenheld und begnadeter Angeber. Er war auch ein erfolgreicher Schriftsteller, dessen Auflage damals nur von Goethe überboten wurde. Aber das, was die Zeit überdauert hat, ist jene Gartenwelt, die dieser geniale und bis heute stilprägende Landschaftsarchitekt geschaffen hat.

Und ein Teil wird nun behutsam saniert. Zwei Männer arbeiten sich den Hang der Pyramide hinauf. Sie schwitzen mächtig, denn hier steht kein Baum, der Schatten spenden könnte. An einer Seite der Pyramide führt eine Treppe bis zur Spitze. Die schweren Steinstufen müssen alle angehoben und neu gesichert werden. Das ist besonders schwierig bei einem solch steilen Hang.

„Die Pyramide war früher viel spitzer“, sagt Parkleiter Wecke. „Doch Wind und Wetter haben etwa einen Meter abgetragen.“ Nun soll die Spritze wieder ihre ursprüngliche Form erhalten. Dafür wird der Hügel um einen dreiviertel Meter erhöht. Und obenauf kommt wieder ein Stein, wie er dort ursprünglich lag. Am Fuß des Hügels gab es ursprünglich eine Stufe, die um die Pyramide herumführte. Sie ist im Wasser durch Holzpfähle gesichert. Doch das Holz ist verrottet und die Ufersicherung ist quasi nicht mehr vorhanden. Auch dies wird saniert.

Das Feuer der Pyramide

Auch der Wilde Wein, der an den Hängen wächst, wird etwas gestutzt. Der sorgt im Herbst für das Pyramidenfeuer – so heißt es in Branitz, wenn das herbstlich gefärbte Laub den gesamten Grabhügel kräftig Rot und Gelb leuchten lässt.

„Die gesamte Sanierung kostet etwa 1,7 Millionen Euro“, sagt der Parkleiter. Dafür werden auch neun andere Inseln, sechs davon allein in diesem See, saniert. Aber auch die Uferwege, außerdem werden noch einige Seen entschlammt. Im Frühjahr soll alles wieder so aussehen, wie von Pückler geplant.

Pückler, der große Stratege, hatte natürlich auch seine Beerdigung sehr genau durchdacht. Er folgte dabei einer mythologischen Idee. Am Ufer des Sees hatte er eine ägyptische Treppe bauen lassen. Dort sollten seine sterblichen Überreste auf ein Boot geladen werden. Das sollte dann übers Wasser hinüber zur Pyramide gleiten. Das Wasser des Sees stellt den „Styx“ dar – den Fluss in der antiken Unterwelt, der die Grenze symbolisiert zwischen der Welt der Lebenden und dem Hades, dem Totenreich. „Doch Pückler hatte Pech“, erzählt Parkleiter Wecke. „Er starb im Winter. Kein Boot konnte fahren, da das Wasser im See gefroren war. Aber das Eis war auch nicht dick genug, um mit einem Schlitten über den Styx zu fahren.“