Berlin-Gatow - Ein Wolf in Berlin - das gab es bislang noch nicht, aber es wird derzeit nicht gänzlich ausgeschlossen, dass ein solches Raubtier auf dem Gebiet der Bundeshauptstadt lebt oder zumindest zu Besuch war. Denn in der Nacht vom 30. auf dem 31. Oktober wurde auf dem „Vierfelderhof“ in Gatow – im Südwesten von Berlin, kurz vor Potsdam – ein totes Schaf gefunden.

„Morgens um 9 Uhr kam eine Mitarbeiterin und sagte, dort liegt ein totes Schaf auf der Wiese“, erzählt die Sprecherin des Hofes Kerstin Stooff. Es wurden keinerlei Spuren gefunden, die den Mitarbeitern Hinweise gaben, wer für den Tod des Tieres verantwortlich ist. Da es im benachbarten Bundesland Brandenburg immer wieder mal Fälle gibt, bei denen Schafe von den streng geschützten Wölfen gerissen werden, wollten die Mitarbeiter den Fall melden.

Experte untersuchte den Kadaver

„Wir haben zuerst den Amtstierarzt in Spandau angerufen, dann den Jäger  vom Gatower Forst. Der besorgte einen Tierspezialisten, der den Kadaver untersucht hat“, sagt Kerstin Stooff.

Der konnten aber auch nicht abschließend sagen, was für ein Tier das Schaf getötet hat. „Deshalb wird die Sache nun ganz genau untersucht“, sagt die Sprecherin des Hofes. „Der Kadaver kam kurz nach dem Vorfall ins Landeslabor Berlin-Brandenburg in Frankfurt (Oder) und wird dort von den Fachleuten untersucht.“

Keinerlei Sichtungen eines Wolfes

Die Ergebnisse sollen eventuell bis Ende der Woche vorliegen. „Nach dem Vorfall haben wir uns auch im Umfeld des Hofes erkundigt: Es gab keinerlei Sichtungen von einem Wolf.“ Im Vorjahr wurde mal ein Fuchs gesichtet, der freilaufende Hühner getötet hatte.

Einige Indizien sprechen dafür, dass es kein Wolf war. Grundsätzlich sind Wölfe äußerst scheu, leben weit weg von menschlichen Siedlungen in Rudeln -  es sind meist zwei Elterntiere mit ihren jeweiligen vier bis sechs Jungen des Jahres und den so genannten Jährlingen. Das sind Jungtiere aus dem Jahr davor, die sich dann irgendwann vom Rudel trennen und ein neues Revier suchen.

26 Wolfsrudel in Brandenburg

Solche wandernden Wölfe werden immer mal wieder auch in Gegenden gesichtet, in denen es keine Rudel gibt. In Brandenburg gibt es derzeit 38 Rudel – ein Rudel hat maximal zehn Tiere. Die meisten Rudel sind in Südbrandenburg, da sie sich seit dem Jahr 2000 von Polen kommend über Sachsen nach Nordwesten ausbreiten.

Das nächstgelegene Rudel lebt etwa 70 Kilometer von Gatow entfernt auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Dazwischen liegen noch die Großstadt Potsdam und die Havel als schwer zu überwindende Barrieren.

Wölfe kommen meist in waldreichen Gegenden vor

Dass ein Wolf so nah an eine recht dicht besiedelte Stadt herankommt, ist sehr selten. Meist werden die Wölfe am Ortsrand von waldreichen Regionen gesichtet. Grundsätzlich ist es allerdings möglich.

Doch gesunde Wölfe greifen Menschen nicht an. Sie gehören nicht zu ihrer natürlichen Beute, die sie vom Geruch kennen. Experten sagen, dass Menschen mit ihrer Kleidung, durch Waschmittel und Deos für die Wölfe "stinken". 

Wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen verwilderten Hund handeln könnte. Dafür würde sprechen, dass es keine eindeutigen Spuren am Kadaver des Schafes gibt. Denn Wölfe töten quasi sehr eindeutig durch einen kräftigen Kehlbiss.

Es könnte ein Hybrid aus Hund und Wolf sein

Eine weitere Möglichkeit ist, dass es sich um einen so genannten Hybriden handelt. Also um ein Tier, das geboren wurde, nachdem sich ein verwilderter Hund mit einem Wolf gepaart hat. Solche Tiere sind dann mitunter nicht ganz so scheu wie Wölfe.

In Brandenburg ist es inzwischen möglich, auch Wölfe zu töten - aber nur in absoluten Ausnahmefällen. Wenn es sich um sogenannte Problemwölfe handelt, die ihre natürliche Scheu vor Menschen verloren haben und sich immer wieder menschlichen Siedlungen oder den Weiden von Nutztieren nähern oder dort Schafe oder Kälber reißen.

Dann können die Landwirte eine Sondergenehmigung zur "Entnahme" des Wolfes stellen. Das muss dann von fachkundigen Jägern übernommen werden.