Berlin - Rekorde sind im Berlin-Tourismus nichts Neues. Aber dass die Stadt im vergangenen Jahr weltweit am stärksten gewachsen ist und damit Metropolen wie New York oder London hinter sich gelassen hat, war selbst für Burkhard Kieker, den Chef von visitBerlin, eine Überraschung. Die Übernachtungszahlen stiegen 2012 um 11,4 Prozent auf 24,9 Millionen. 10,8 Millionen Besucher, darunter vier Millionen Gäste aus dem Ausland, stiegen in Hotels und Pensionen ab, was einem Zuwachs von zehn Prozent entspricht. In den letzten zehn Jahren haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt.

Berliner Gesamtkunstwerk

„Die Touristen besuchen keine einzelnen Sehenswürdigkeiten, sondern wollen das Gesamtkunstwerk Berlin erleben“, sagte Tourismus-Chef Kieker am Mittwoch. Die Gäste würden in jeder Jahreszeit kommen. „Es gibt keine toten Monate mehr. Die Stadt ist über das ganze Jahr hinweg mit einem Ereignisteppich überzogen.“

Die internationalen Besucher stammen überwiegend aus Großbritannien, Italien, Frankreich, den Niederlanden und USA. Die Zahlen aus Spanien und Griechenland sind wegen der Wirtschaftskrise dort stark rückläufig. Auch die Auslastung in den 770 Hotels mit 126.000 Betten stieg leicht auf 54,5 Prozent, wovon vor allem Luxushäuser profitierten.

Berlin als Tagungsort

Zum Erfolg beigetragen hat zu großen Teilen das Kongressgeschäft. Mehr als ein Viertel der Besucher waren Geschäftsreisende aus öffentlichen Institutionen, der Pharmaindustrie, der Medizin- oder IT-Branche. Nach Wien, Barcelona und Paris belegt Berlin mit fast 124.000 Veranstaltungen den vierten Platz als Tagungsort. Danach wird sich nach Einschätzung Kiekers auch nichts durch die Schließung des ICC Ende des Jahres ändern. „Wir kriegen ja den CityCube als Ersatz. In welchem Gehäuse Kongresse tagen, ist zweitrangig“, sagte er.

Allein die Geschäftsreisenden brachten der Stadt einen Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro und sicherten rund 35.000 Arbeitsplätze. Insgesamt sind 275.000 Arbeitsplätze vom Tourismus abhängig: in der Hotellerie, der Gastronomie, dem Taxigewerbe. Angesichts von 1,1 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen in Berlin sei der Tourismus eine Schlüsselbranche, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). „Wir können gar nicht genug Touristen bekommen.“ Das gilt auch hinsichtlich der City Tax, die der Senat einführen will. Die Finanzverwaltung überarbeite derzeit einen ersten Entwurf, sagte Yzer. Die Einnahmen aus der Bettensteuer sollen in den Tourismus und die Kultur fließen.

Zuwachs auch in Brandenburg

Vor dem Hintergrund vereinzelter Aggressivität gegenüber den Gästen in manchen Kiezen verwies Kieker auf eine repräsentative Studie, die visitBerlin in Auftrag gegeben hat. „90 Prozent der Berliner finden Touristen toll“, sagte er. Er begrüßt jedoch, dass einzelne Bezirke jetzt gegen Ferienwohnungen vorgehen.

Auch der Tourismus in Brandenburg hat 2012 seinen Rekord aus dem Jahr zuvor übertroffen. Mit 11,5 Millionen Übernachtungen und 4,2 Millionen Besuchern konnte die Branche ein Plus von vier Prozent verbuchen. Die höchsten Zuwächse verzeichneten Potsdam, Burg, Rheinsberg sowie Beetzsee. Eine wichtige Rolle spielt der Medizin-Tourismus. So gibt es in Brandenburg 21 Vorsorge- und Rehakliniken mit 4 500 Betten, die fast komplett ausgelastet waren.