Berlin - Über dem halbrunden Wintergarten steht in großen Lettern „Hotel“. Einladend sieht hier, an der ehemaligen Gaststätte an der Schönfließer Straße/Ecke Oranienburger Chaussee in Frohnau  jedoch derzeit wenig aus. Die einst hellgelbe Fassade ist einem schmutzigen Grau gewichen. Die  Fenster sind eingeworfen oder zerbrochen, im Vorgarten lagert Schutt.

Doch das soll sich bald ändern, sagt Martin Lambert, der Baustadtrat in Reinickendorf. „Das Haus soll zu neuem Leben erweckt werden und so Besucher schon am Ortseingang positiv empfangen“, so der CDU-Politiker. Das Haus, von dem Lambert spricht,  ist der Entenkeller, ein ehemaliges Traditionsrestaurant in der Gartenstadt Frohnau, das seit Jahren leer steht.

Abdallah Neeman ist der neue Eigentümer, er hat das Gebäude in Jahr  2012 bei einer Zwangsversteigerung erworben.  Der Unternehmer betreibt das Restaurant Eierschale in Dahlem, das alte Haus in  Frohnau will er als Pendant dazu entwickeln. Sein erster Namensvorschlag lautet „Cascarón“, was auf Spanisch Eierschale bedeutet.

Das Haus stammt aus dem Jahr 1926, es wurde damals als Kopfbau der Frohnauer Gartenstadt im Norden von Reinickendorf errichtet. „Damals war es die zentrale Gaststätte für die Gartenstadt, mit großem Außenbereich und vielen Grünachsen“, sagt der Architekt Bernd Reifers, der mit dem Umbau des Gebäudes beauftragt ist. Das Haus  sei Teil des Denkmalensembles der Frohnauer Gartenstadt, stehe jedoch selbst nicht unter Denkmalschutz. Nach dem Krieg sei es als Volksgaststätte Frohnau wieder eröffnet und in den folgenden Jahrzehnten unterschiedlich genutzt worden.

Auch Läden waren dort schon mal.  In den 1990er-Jahren sei das dreigeschossige Gebäude ein Hotel gewesen. „In dieser Zeit ist auch der Wintergarten angebaut worden“, so Reifers. Zuletzt wurde das Erdgeschoss als Gaststätte genutzt, im Keller gab es eine Tanzbar.

Wohnungen über dem Restaurant

Im Jahr 2017 soll im Erdgeschoss die neue Gaststätte eröffnet werden. Sie soll bis zu 120 Plätze haben, Neeman will „internationale Küche“ anbieten.  Der neue Eigentümer  möchte den historischen Zustand des Gebäudes weitgehend erhalten. Aber: „Wir werden den Wintergarten aus den Neunzigerjahren abreißen“, sagt der Architekt.  Der Anbau soll durch einen dezenten Stahl-Glasbau ersetzt werden, der den Blick auf das historische Gebäude freigibt.   Auch der Außenbereich soll wieder bewirtschaftet werden. Um die Nachbarn vor Lärm zu schützen, soll eine  begrünte Mauer entstehen. Der Haupteingang soll sich künftig in der Schönfließer Straße befinden. 

Über dem Restaurant sollen Wohnungen entstehen. Aber: „Über einer so großen Gastronomie kann man nicht wirklich wohnen“, sagt der Architekt Reifers. Deshalb werden dort Apartements für das Personal der Gaststätte oder für Handwerker auf der Durchreise entstehen. Noch ist viel zu tun. Das Haus muss entkernt und völlig neu ausgestattet werden. „Sogar die Stromkabel und Wasserzähler haben Diebe mitgenommen“, sagt Neeman.

Raufgehen, runtergucken

Die neue Gaststätte, die Stadtrat Lambert als neues Aushängeschild für Frohnau bezeichnet,  ist bereits die zweite gute Nachricht für die Frohnauer in diesem Jahr. Auch das Wahrzeichen des Ortsteils, der im Jahr 1910 errichtete Casinoturm am Ludolfinger Platz, soll saniert und neu genutzt werden.

Das 30 Meter hohe Bauwerk fungierte einst als Wasserturm für den S-Bahnhof Frohnau.  Der neue Eigentümer, ein Projektentwickler und Investor für Einzelhandelsimmobilien und Wohnquartiersentwicklung,  will das Gebäude künftig gewerblich nutzen, wie jetzt bekannt wurde. Unter anderem soll ein neuer Drogeriemarkt einziehen. Außerdem soll laut Medienberichten der Turm gelegentlich für Besucher zugänglich gemacht werden.