Berlin - Bernd Sch. aus Charlottenburg hat eine Kontrolle des Fahrstuhls mit dem Leben bezahlt. Der 67-jährige Zahnarzt starb am Mittwochabend, wie berichtet, bei einem tragischen Unfall in einem Aufzug in einem mehrgeschossigen Wohnhaus in der Giesebrechtstraße. Die Polizei fand nun heraus, dass der Zahnarzt, der erst seit Mittwoch im Ruhestand war, bereits mit einem Bekannten am Nachmittag den Aufzug benutzt hatte. Die Innentür der Kabine ist verglast. Bei der Fahrt vom Erdgeschoss nach oben sei eine Glasscheibe zersprungen, sagten Ermittler. Gemeinsam entsorgten die Männer die Scherben.

Als Bernd Sch. gegen 20 Uhr noch einmal nach dem Rechten in der Kabine schauen wollte, passierte das Unglück. Der Aufzug, der zuvor stecken geblieben war, setzte sich wieder in Bewegung und riss den Mann mit. Er wurde zwischen der äußeren Tür und dem Fahrstuhl eingeklemmt. Mieter, die die Schreie des Mannes gehört hatten, versuchten dem Zahnarzt zu helfen. Das gelang ihnen jedoch nicht. Die Feuerwehr barg den Toten. Ein Seelsorger kümmerte sich um die Angehörigen des Mannes und um die Zeugen. Die genaue Unfallursache ist noch unklar.

Verantwortlich sei der Betreiber des Fahrstuhles

Der Fahrstuhl sei oft kaputt und bleibe stecken, sagten Mieter der Polizei. Manchmal sei er wieder in Gang gekommen, wenn man an den Türen ruckelte oder in der Kabine hopste. Noch in der Nacht begannen Spezialisten des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LAG etSi) mit den Untersuchungen der Anlage. Ergebnisse werden kommende Woche erwartet.

Verantwortlich für das ordentliche Funktionieren von Aufzügen ist der Betreiber, nicht der Hersteller sagte LAGetSi-Sprecher, Robert Rath. Der Betreiber sei auch für die Wartung zuständig. Weil er nicht über den Sachverstand verfüge, beauftrage er einen Gutachter, der wiederum die Zahl der Wartungen festlegt, so der Sprecher. „Für die Beseitigung der Mängel ist der Betreiber zuständig.“ Die Ermittler prüfen nun, ob die Fristen festgelegt und eingehalten worden sind.

Unfälle wie der in der Giesebrechtstraße seien sehr selten, sagte Feuerwehrsprecher Wolfgang Rowenhagen. Zuletzt war im Oktober 2002 ein 36-jähriger Mann in einem Fahrstuhlschacht verunglückt. Er war in einem Wohnhaus in der Steglitzer Hubertusstraße aus der Aufzugskabine geklettert, weil der Fahrstuhl stecken geblieben war und er in Panik geriet. Dabei stürzte er zehn Meter in die Tiefe. Der Mann überlebte. Bei einem Unfall im Januar 1998 stürzte in der Stromstraße in Tiergarten ein 70 Jahre alter Mann in einen Aufzugsschacht und fiel 15 Meter tief. Der Senior überlebte den Sturz nicht. Der Aufzug war stillgelegt. Der Mann hatte dennoch Stimmen aus der Kabine gehört und gedacht, die Insassen brauchen Hilfe. Er hebelte die Tür auf und stürzte 15 Meter in die Tiefe.