An manchen Stellen sieht es bereits so aus, als würde gleich eine Bahn kommen. Viele Gleise liegen schon, einige Haltestellen sind fertig. Der Bau der Straßenbahnstrecke zum Hauptbahnhof ist gut vorangekommen, und nun zeichnet sich auch endlich ein Eröffnungstermin ab „Wir streben die Inbetriebnahme noch in diesem Jahr an“, sagte Petra Rohland, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Als erste Linie soll die M 5, die in Hohenschönhausen beginnt und derzeit noch am Hackeschen Markt endet, zum Hauptbahnhof verlängert werden – zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember oder auch etwas früher.

Es ist ein Projekt, bei dem der Senat lange Zeit keine gute Figur gemacht hat. Zu Beginn hieß es, dass die Neubaustrecke vom Nord- zum Hauptbahnhof 2002 fertig wird. Danach war von 2006 die Rede, auch dieser Termin verstrich. Der Bahnhof, der im Mai 2006 eröffnet wurde, blieb ohne Straßenbahnanschluss.

Vermauert, vergittert, verplombt

Das hatte auch damit zu tun, dass der Senat die Planungen 2004 überraschend abgebrochen hatte, um von Grund auf neu anzufangen. Bei dem alten Verfahren ging es vordergründig nur um den Bau der Straßenbahn. Tatsächlich hatten die Senatsplaner vor allem im Sinn, die Invalidenstraße beiderseits der Chausseestraße auf zwei Fahrstreifen pro Richtung zu verbreitern. Anwohner kritisierten die „Mogelpackung“, Klagen drohten. Der Senat zog die Reißleine. Die Zeit verging.

Nachdem sich endlich Bautrupps ans Werk gemacht hatten, tauchten weitere Probleme auf. Die Invalidenstraße wurde eine Horror-Baustelle, die Autofahrer und Busfahrgäste viel Zeit kostete. Immer wieder stießen die Bauleute im Untergrund auf Überraschungen – zum Beispiel auf einen Durchlass für die Panke, der nirgendwo verzeichnet war. Prominentestes Opfer dieser Komplikation war der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Weil die Abbrucharbeiten die Ausfahrt blockierten, konnte er nicht mit seinem Dienstwagen das Ministerium verlassen.

Hintergrund: Zu DDR-Zeiten verlief die Ost-West-Verbindung durch Grenzgebiet. Um Fluchten zu verhindern, wurden alle Kanäle zugemauert, vergittert oder mit Beton verplombt und außerdem sämtliche Unterlagen dazu vernichtet.

Inzwischen sind Teilstücke der Invalidenstraße fertig. „Im Herbst wird als letzte Bauleistung die denkmalgerechte Neugestaltung der Vorgärten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, des Naturkundemuseums und des Institutsgebäudes der Humboldt-Universität begonnen. Sie wird im Frühjahr 2015 abgeschlossen,“ teilte der Senat mit.

Weiter geht’s zur Turmstraße

Auch große Teile der Straßenbahnstrecke sind komplett – bis auf die Fahrleitung, die aus Furcht vor Kabeldieben erst kurz vor der Inbetriebnahme montiert und dann sofort unter Strom gesetzt wird. Wann die erste Straßenbahn aus Richtung Osten zum Hauptbahnhof fährt, soll bald entschieden werden. „Bis Mitte August wollen wir mit der BVG Klarheit darüber herstellen“, sagte Rohland.

Knackpunkt sind die Arbeiten an der Haltestelle Hauptbahnhof. Ob die M 5 tatsächlich ab Ende des Jahres dorthin fährt, hängt vor allem davon ab, ob die Wartebereiche rechtzeitig fertig werden. Nach dem Entwurf des Berliner Architekturbüros Gruber + Popp werden geschwungene Stahlbetonschalen die beiden Bahnsteige überdachen.

Wie findet es der Fahrgastverband IGEB, dass der Bahnhof mit zwölf Jahren Verspätung ans Straßenbahnnetz angeschlossen wird? Vize Jens Wieseke flüchtete sich in Ironie. „Jauchzet, frohlocket“, sagte er. „Richtig zufrieden sind wir aber erst dann, wenn auch die Bahnen der Linien M 8 aus Ahrensfelde und M 10 von der Warschauer Straße zum Hauptbahnhof fahren können.“ Dann bekommen große Teile von Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte eine Direktverbindung dorthin. „Die Verlängerung der M 5 ist Kosmetik“ – der Nutzen für die Fahrgäste halte sich in Grenzen.

Die Verlängerung der beiden anderen Linien wird aber wohl erst im Sommer 2015 möglich sein, hieß es. Denn erst muss auch der zweite Bauabschnitt des Verkehrsprojekts, der von der Chausseestraße zum Nordbahnhof führt, fertig werden.

Die neue Gleisschleife am Hauptbahnhof soll übrigens nicht dauerhaft Endstation bleiben. Der Senat hat damit begonnen, die Planungen für den Weiterbau zum U-Bahnhof Turmstraße vorzubereiten.